Mittwoch, 21. Mai 2003

Der Pop-Chaot

  • Alf Poier – haben wir diesen Mann verdient?

Unser Mann beim Song Contest. Wie der Kabarettist mit Nonsens-Attacken über Riga hereinbricht. Wer er ist. Welche Chancen er hat.

Was auch immer der Bürgermeister der Song-Contest-geadelten Stadt Riga vom Aufstieg seiner Kommune in die internationale Glamour-Klasse erträumt haben mag – diese Szene war mit Sicherheit nicht dabei: Ein konfuser Beistrich von einem Menschen wirft sich ihm als Alf Poier in den Weg und überantwortet als Gastgeschenk einen Ameisenhaufen aus Gips, nicht ohne unter konvulsivischem Stammeln auf die umweltpolitisch bedenkliche Situation dieser unzureichend gewürdigten Spezies zu verweisen. So plant Österreichs Hoffnungsträger für den Bardenwettstreit seinen Einstand bei den Rigaer Honoratioren. Und wer ihn kennt, ahnt, dass er nicht ruhen wird, ehe er dem postsowjetischen Stadtschulzen das gipserne Krabbelbiotop tatsächlich überantwortet hat.

Schon die Abreise des vielfach ausgezeichneten Kabarettisten und seiner 15-köpfigen Delegation war am vergangenen Samstag ein aktionistisches Schreckensfaktum erster Ordnung. In Hauskatzenadjustierung miaute der 36-jährige Steirer in Reportermikrofone und passierte schließlich auf allen Vieren die Kontrolle. „Kami-Katze“-Aktion würde der steirische Kabarett-Dadaist das wohl selber nennen. „Das war noch nie da“, erging sich jedenfalls der Schwechater Zollbeamte in ehrlicher Bewunderung. Auf der offiziellen Song-Contest-Homepage häufen sich derweil verwirrte bis beeindruckte Postings: „That Alf really got a special humor!“ Kaum in der lettischen Hauptstadt, führte Poier der erste Weg zu TV-Aufnahmen in den Zoo. Schließlich singt der Mann nicht irgendein Lied: Sein Herz gehört den Tieren.

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21.5.2003 16:38