Breite Mobilisierung gegen Pensionsreform in Paris
- Frankreichs Regierung hält an Pensionsreform fest
- Öffentliche Meinung mehrheitlich für neue Verhandlungen
Mehrere hunderttausend Personen haben am Sonntag mit Sonderzügen, eigens angemieteten Reisebussen oder der U-Bahn den Place de la Nation im Osten von Paris erreicht, von wo aus zu Mittag eine Massendemonstration gegen die von der Regierung geplante Pensionsreform startet. Die Organisatoren erwarten mindestens 500.000 Teilnehmer. Es dürfte demnach die größte Protestkundgebung seit 1995 werden.
An der Großkundgebung beteiligen sich laut Gewerkschaften vor allem Schullehrer, öffentliche Bedienstete und Angestellte staatlicher Betriebe, insbesondere der Staatsbahn SNCF und der Metrobetriebe. Aus Solidarität werden aber auch Angestellte des privatrechtlichen Sektors erwartet, obwohl diese von der geplanten Anhebung der Beitragsjahre erst 2012 betroffen sind.
Zu einer Rücknahme des Reformprojekts haben am Sonntag in einem gemeinsamen Appell die Sozialisten, die Grünen und die Radikalsozialisten der PRG ("Parti Radical de Gauche") aufgerufen. Liberale Organisationen werden dagegen um 16 Uhr vor dem Pariser Rathaus eine Gegenkundgebung zur Unterstützung der Rentenreform veranstalten. Sozialminister Francois Fillon betonte in einem von der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" veröffentlichten Beitrag, dass er die Reform "bis zuletzt" vorantreiben werde.
Demonstration findet breite Zustimmung
Die öffentliche Meinung schlägt sich unterdessen entschieden auf die Seite der Demonstranten. Die Kundgebung vom Sonntag wird laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSA, die in "Le Parisien" erschienen ist, von 65 Prozent der Franzosen befürwortet. Laut einer von "Ouest-France" veröffentlichten IFOP-Umfrage sind 55 Prozent der Meinung, dass die Regierung die Verhandlungen mit den Sozialpartnern wieder aufnehmen sollte.
Kernpunkt der geplanten Reform ist die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Demnach sollen die Beitragszeiten im öffentlichen Dienst zunächst von jetzt 37,5 Jahren bis 2008 schrittweise an die 40 Jahre in der Privatwirtschaft angeglichen werden. (apa/red)
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