Mittwoch, 21. Mai 2003

NEWS: Das wahre Tagebuch der Wüsten-Geiseln

  • Das Protokoll: 52 Tage in Angst
  • PLUS: Alle Informationen zum Geiseldrama in Algerien!

52 Tage Geiselhaft, Todesangst, Hunger und Verzweiflung: Die zehn österreichischen Entführungsopfer hatten während ihrer Gefangenschaft verschiedene Gedanken, aber nur ein Ziel: Die Freiheit und Heimkehr nach Österreich. Nun haben sie für NEWS ihr ganz persönliches Protokoll angefertigt. Das Dokument eines "Thrillers", der letztlich ein Happy End fand.

Ingo Bleckmann und sein Sohn Andreas (25) haben NEWS in ihr Haus eingeladen, um ihre Geschichte zu erzählen. Ebenso sprach NEWS mit sechs weiteren der insgesamt zehn österreichischen Geiseln: Annemarie (45) und Johann Kienberger (54), Johann Ruppnig (69) und Harald Galler (40) sowie den Tiroler Bergsteigern Christoph Langes (32) und Roland Mayr (29), die als Letzte in die Hände der algerischen Entführer fielen. Die Opfer haben alles verloren. Jeeps, Navigationsgeräte, Handys, Uhren, Kameras. Lediglich das Ehepaar Kienberger konnte fünf Filme retten. Sie hatten die Dosen im Rucksack, die Geiselnehmer haben sie übersehen. Die Kienbergers stellten die Fotos NEWS exklusiv zur Verfügung, es sind einmalige Dokumente einer Urlaubsfahrt, die zum Horrortrip wurde, der fast zwei Monate dauerte.

Ist Geld geflossen? Alle Exgeiseln wissen bis heute nicht, ob die Freude über ihre Befreiung mehr wiegt oder die Sorge um jene 15 deutschen, Schweizer und niederländischen Geiseln, die noch in Gefangenschaft waren: "Wir hoffen", sagen die Österreicher, "dass auch sie bald frei sind."

Keine Informationen haben die Exgeiseln darüber, ob die österreichische, deutsche und Schweizer Regierung für ihre Freilassung eine hohe Summe bezahlt haben: "Es war zwar immer von Lösegeldforderungen die Rede, aber wir wurden von der algerischen Armee gewaltsam befreit", das stehe für sie fest. "Plötzlich tauchten Hubschrauber auf, und die Kidnapper trieben uns in Felsnischen. Bevor die ersten Schüsse fielen, entfernten sich die Entführer rasch von uns Geiseln – wohl um uns zu schützen. Damit haben sie uns das Leben gerettet."

Keiner der Österreicher konnte genau beobachten, wie
die Kampfhandlungen abliefen: "Danach sahen wir nur einen verletzten algerischen Soldaten; was mit den Entführern geschah, wissen wir nicht." In ihren Tagebüchern sprechen die Geiseln über die Beweggründe der Moslem-Fundamentalisten, über Todesängste, Qualen und Gewaltmärsche in glühender Hitze. Und Ingo Bleckmann steht auch nicht an, eigene Fehler zuzugeben: "Wir hätten uns vor der Reise besser informieren müssen."

21.5.2003 17:04