Sonntag, 25. Mai 2003

Grasser hat "keine Angst vor einer Rezession"

  • Deutsche Wirtschaftsschwäche: Problem für Österreich

Finanzminister Grasser hat "keine Angst vor einer Rezession". In der ORF-"Pressestunde" zeigte sich Grasser am Sonntag bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung "unterm Strich wirklich optimistisch". "Wir haben einen langen Abschwung hinter uns", die Wirtschaftsforscher würden nun für Ende dieses Jahres bzw. für 2004 eine Beschleunigung des Wachstums erwarten.

Wohin die konjunkturelle Entwicklung gehe, entscheide sich jetzt in diesen Wochen, meinte Grasser. Der hohe Euro-Kurs sei zwar eine Belastung, es gebe aber niedrige Zinsen und einen niedrigen Ölpreis. Außerdem würden die USA eine "expansive Fiskalpolitik" betreiben. Notwendig sei es aber, Wachstum durch Strukturreformen zu schaffen, und nicht durch neue Schulden. Dass der hohe Euro-Kurs das Wirtschaftswachstum bremsen und auch Probleme für das Budget bringen könnte, wollte Grasser nicht allzu dramatisch sehen.

Weitere Zinssenkung in Europa?
Grasser ist sich "ganz sicher", dass es in Europa zu einer weiteren Zinsensenkung kommen wird. "Die Fakten werden die EZB dorthin bewegen, wo sie hin muss." Über die Höhe der Zinssenkung wollte Grasser nicht spekulieren.

Problem: Deutschlands Wirtschaftsschwäche
In den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands sieht Grasser angesichts der immer noch starken Verflechtung "eines der größten Probleme, die Österreich hat". Allerdings habe sich Österreich "gut abgekoppelt". Vor zehn Jahren hätte diese Situation auch in Österreich zu einer Krise geführt, jetzt würden würden wir aber von der Ostöffnung profitieren, meinte der Minister.

Den Vorwurf, dass er die Budgetsanierung vor allem durch höhere Steuern und damit mehr Einnahmen verfolgt habe, wies Grasser entschieden zurück. Der Minister betonte, dass alle fünf Budgets unter seiner Verantwortung von 2000 bis 2004 "dramatisch besser" seien, als alles was in den 30 Jahren davor gemacht worden sei. Er gestand zwar zu, dass die Steuer- und Abgabenquote hoch sei, man habe sie aber bereits um 1,5 Prozent des BIP oder drei Mrd. Euro gesenkt und werde sie weiter senken. (apa)

25.5.2003 14:27