Sonntag, 25. Mai 2003

Ed Fagan präsentierte neues Kaprun-Gutachten

  • Angeblich gab es einen zweiten Brandherd

Mit einem neuen Gutachten zur Seilbahnkatastrophe von Kaprun hat am Sonntag, der Anwalt Ed Fagan aufhorchen lassen. Die Expertise besagt, dass für die rasche Ausbreitung des Feuers 180 Leuchtstäbe im Führerstand schuld gewesen seien. Außerdem habe es durch einen Kurzschluss in einem nicht isolierten Hochspannungskabel im Tunnel einen zweiten Brandherd gegeben.

Der Privatgutachter habe die Unterlagen der Gletscherbahn Kaprun gesichtet. Das Gutachten beziehe sich nicht auf die Brandursache, sondern darauf, wie das Feuer zur Falle für die Insassen der Seilbahn wurden, so Fagan. Ursache für die rasche Ausbreitung des Feuers könnten theoretisch das Hydrauliköl oder eben die Leuchtstäbe gewesen sei. Die Leuchtstäbe seien mit einer alkoholähnlichen Flüssigkeit gefüllt gewesen, die "höchst explosiv ist", so Fagan bei einem Pressegespräch in Salzburg. "Werfen Sie ein Streichholz auf Öl und auf Alkohol und Sie werden sehen, dass der Alkohol viel gefährlicher ist." Konkret handle es sich um Wasserstoffperoxid, "das ist sehr, sehr brennbar". Hersteller der Leuchtstäbe sei die Firma Omniglow, die Klage gegen das Unternehmen sei in New York bereits zugelassen.

Zweiter Brandherd
Außerdem habe es nach Angaben seines Gutachters auch einen zweiten Brandherd gegeben. Im Stollen seien Elektroleitungen mit Hochspannung gewesen, die keine Isolierung hatten, so Fagan. Nachdem das Feuer im Führerstand ausgebrochen sei, habe es in diesem Kabel einen Kurzschluss gegeben und es habe ebenfalls zu brennen begonnen. Dieses Kabel habe die VA Tech Elin verlegt, weshalb nun auch dieses Unternehmen geklagt werde.

Am 23. Juni wird Fagan bei der nächsten Verhandlung im Kaprun-Strafprozess in Salzburg anregen, dass man auch hier dieses Gutachten berücksichtige. Sollte das Gericht sich nicht dafür interessieren, "dann geht es in Österreich wirklich nicht um die Wahrheit".

Beim Brand in der Stollenbahn auf das Kitzsteinhorn in Kaprun am 11. November 2000 sind 155 Menschen ums Leben gekommen. (apa)

25.5.2003 12:10