Mittwoch, 21. Mai 2003

Klestil will weiter "Rufer in der Wüste" sein

  • Bundespräsident in seinem letzten Jahr in der Offensive
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"Rufer in der Wüste" will er sein. Und: "Ich befinde mich im letzten Jahr meiner Amtszeit und werde offener denn je Fehlentwicklungen in unserem Land ansprechen." Bundespräsident Thomas Klestil geht offenbar in die Offensive. Im neuen NEWS wird das Staatsoberhaupt deutlich: "Mir missfällt vieles, was derzeit in Österreich vorgeht."

Den von ihm einberufenen Runden Tisch zur Pensionsreform bezeichnet Klestil, dessen Amtszeit noch bis zum 8. Juli 2004 läuft, als "Rettungsversuch für ein politisches Österreich mit menschlichem Antlitz". "Mir missfällt vieles, was derzeit in Österreich vorgeht", so Klestil, der "nicht aufhören will, 'Rufer in der Wüste' zu sein, ob es nun angenehm ist oder nicht".

Der Bundespräsident müsse "in schwierigen Situation überparteilicher Vermittler sein. In so wichtigen Fragen wie der Pensionsreform, die alle betrifft, ist es unklug und geht es nicht an, dass die Regierung ohne Einbindung der Interessensvertretungen Beschlüsse fasst. Es kommt auf die Inhalte der Reform an und nicht darauf, ob sie einige Monate früher oder später beschlossen wird", stellt auch Klestil den 4. Juni in in Frage.

"Möchte nicht, dass Österreichs soziales Klima Schaden nimmt"
Er bekomme "zahlreiche Anrufe, E-mails, Briefe und ich konnte mich auch in persönlichen Gesprächen davon überzeugen, dass niemand gegen eine als notwendig erkannte Pensionsreform ist. Es ist die Gesprächskultur, die verloren gegangen zu sein scheint. Der Dialog, die Konsensbereitschaft ist leider in den letzten Jahren zu kurz gekommen, wenn nicht sogar verloren gegangen. Ich befinde mich im letzten Jahr meiner Amtszeit und werde offener denn je Fehlentwicklungen in unserem Land ansprechen und aufzeigen, weil ich von ganzem Herzen nicht möchte, dass sich Österreich in eine Richtung entwickelt, die dem menschlichen, politischen und sozialen Klima schadet", so Klestil.

Zu einem Medienbericht mit dem Titel "Ist die Hofburg noch zu retten?" meint das Staatsoberhaupt: "Diese Diskussion ist würdelos. Vielleicht befinden wir uns schon im Vorwahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2004. Alle Beteiligten sollten einen kühlen Kopf bewahren, um die Institutionen der Republik und die österreichische Verfassung nicht zu beschädigen, sondern sie zu schützen." (apa/red)

Mehr zu diesem Thema finden Sie im neuen NEWS!

21.5.2003 16:13