2002 seit 10 Jahren wieder Leistungsbilanzüberschuss
- Exportquote erreicht mit 36 Prozent ein Rekordniveau
- Defizit der Einkommensbilanz um 1 Mrd. Euro verringert
Österreich hat im Jahr 2002 zum ersten Mal seit 1990 wieder einen Leistungsbilanzüberschuss erzielt. Mit 1,6 Mrd. Euro bzw. 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt das Ergebnis allerdings immer noch in jener Bandbreite, die traditionell als "ausgeglichen" bezeichnet werde, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Montag mit.
Den entscheidenden Beitrag für diese Verbesserung habe die Handelsbilanz geliefert. Aber auch die geringeren Nettoabflüsse bei den Vermögenseinkommen haben zur Aktivierung der Bilanz beigetragen, so die OeNB. 2001 wurde noch ein Defizit in der Leistungsbilanz in Höhe von 3,9 Mrd. Euro verbucht.
Erstmals Überschuss in der Handelsbilanz
Wie die OeNB weiter mitteilte, weise die Handelsbilanz erstmals seit Bestehen der Zweiten Republik einen Überschuss auf. Die Exporte wuchsen im Berichtsjahr um 4,1 Prozent, während die Importe angesichts des schwachen Konsumwachstums und rückläufiger Anlageinvestitionen wertmäßig um 2,2 Prozent zurückgingen. Die Entwicklung folgte hier dem Euroraum, wo die Exporte um 2,4 Prozent stiegen und die Importe um 3,4 Prozent abnahmen. Gegenüber ihren Mitbewerbern aus dem Euroraum habe die österreichische Exportwirtschaft Marktanteilsgewinne erzielen können, so die OeNB.
Die wichtigste Position innerhalb des Dienstleistungsverkehrs mit dem Ausland ist der Reiseverkehr. Die Zahl der Ausländernächtigungen ist im Kalenderjahr 2002 um 2,5 Prozent gestiegen. Nach einem Jahrzehnt, in dem es fast durchwegs deutliche Rückgänge gegeben hat, gab es 2002 auch in der Sommersaison ein deutliches Nächtigungsplus. Österreichs Ruf als sicheres Reiseland und seine geographische Nähe zu den wichtigsten Quellmärkten dürften sich vorteilhaft ausgewirkt haben, heißt es weiter. Österreich habe vor allem als Zielland deutscher Touristen etwa ab Mitte 2001 seit langer Zeit wieder Marktanteile gewinnen können - vorwiegend zu Lasten der Überseedestinationen.
Reiseverkehrsausgaben gesunken
Die Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr (einschließlich "Internationaler Personentransport"), stiegen im Einklang mit der Nächtigungs- und Preisentwicklung um 4,8 Prozent. Im Jahresverlauf machte sich eine zunehmende Zurückhaltung bei den Ausgaben bemerkbar. Die Reiseverkehrsausgaben der Österreicher sind im Jahr 2002 geringfügig gesunken. Dadurch verbesserte sich der Überschuss der Reiseverkehrsbilanz um 800 Mio. auf 3,2 Mrd. Euro.
Im Jahr 2002 hat sich der Nettoabfluss in der Einkommensbilanz um 1,1 auf 2,3 Mrd. Euro verringert. Den entscheidenden Beitrag lieferten die Vermögenseinkommen. Die seit dem Jahr 2000 zu beobachtenden hohen Gewinnausschüttungen von Direktinvestitionsunternehmen hielten an.
Trendwende bereits früh im Jahr 2002
Der Strom ausgezahlter Gewinne nach Österreich lag 2002 bei über 1 Mrd. Euro, der Gewinnabfluss erreichte 1,8 Mrd. Euro. Der Saldo der Erträge aus Wertpapierveranlagungen hat sich nach Jahren wachsender Defizite gegenüber 2001 kaum verändert. Dieser Entwicklung liegen laut OeNB zwei Ursachen zu Grunde. Zum einen ist das Nominalzinsniveau weiter gesunken, vor allem aber sind die Forderungsbestände österreichischer Gläubiger im abgelaufenen Jahr deutlich stärker gewachsen als die entsprechenden Verbindlichkeiten. Die Trendwende hat bereits früh im Jahr 2002 eingesetzt, so dass sich die Ertragseffekte ebenfalls bereits im Jahr 2002 bemerkbar gemacht haben. Der Einkommensüberschuss Österreichs aus grenzüberschreitenden Krediten, Einlagen und Währungsreserven hat sich im Jahr 2002 annähernd verdoppelt und betrug über 2 Mrd. Euro.
Die Transferbilanz schloss 2002 mit einem Abgang von 1,7 Mrd. Euro. Während die öffentlichen Nettotransfers dank der sparsamen Gebarung des EU-Haushalts im Jahr 2002 auf 870 Mio. Euro abnahmen, wuchs das Defizit der privaten Transfers auf 810 Mio. Euro.


