Mittwoch, 23. April 2003

feratel: Einstieg bei elektronischen Kundenkarten

  • Pilotprojekt startet im Mai in Oberösterreich
  • Flaues Deutschland-Geschäft führte zu Mitarbeiterabbau

Die Innsbrucker Mediengruppe feratel, vor allem auf Live-Wetter- und Panorama-TV sowie auf Tourismus-Software (etwa für Hotelbuchungssysteme) spezialisiert, steigt in das Geschäft mit elektronischen Kundenkarten ein. feratel habe gemeinsam mit Siemens und Infineon ein Kundenkartensystem mit integriertem Chip entwickelt, das ab 18. Mai in einem Pilotprojekt in der oberösterreichischen Pyhrn-Priel erstmals zum Einsatz komme, gab feratel gestern, Dienstag, Abend bei einem Pressegespräch bekannt.

Die neue Kundenkarte, die mehrere Jahre gültig ist, kostet jeden Urlaubsgast ab dem 6. Lebensjahr rund 2 Euro (1,96 Euro plus Mehrwertsteuer) pro Nächtigung in dieser Region. Dieser Betrag wird vom Vermieter auf den Nächtigungspreis aufgeschlagen und an den Kundenkartenbetreiber weitergegeben. Mit der Karte kann der Gast nach dem "All inclusive-Prinzip" rund 30 touristische Leistungen - von Bergbahnen über Museen bis zu Freibädern - vorwiegend im Sommer gratis und unbegrenzt nutzen. Finanziert werden die Leistungen über ein Umlageverfahren. Ab 2004 soll ein Bonuspunktesystem (auch für Gastronomie, Handel und Wandertaxis) sowie eine Winterkarte eingeführt werden.

120 Unterkunftsbetriebe beteiligt
Zum Projektstart würden sich zunächst 120 Unterkunftsbetriebe der Pyhrn-Priel-Region beteiligen, die 60 Prozent aller Sommernächtigungen in dieser Region abwickeln würden, sagte der Geschäftsführer der DMC Tourismus GmbH Pyhrn-Priel, Gerhard Lindbichler. Die Region verzeichnete im Sommer 2002 rund 270.000 Nächtigungen. Über die Karte müsse laut Plan ein Umsatz von 140.000 Euro erreicht werden, damit alle an der Karte beteiligten Leistungsträger die Vorjahresumsätze erreichen würden, so Lindbichler.

Durch die Einführung dieses Kundenkartensystems würden die Gäste an die Region gebunden, meint Lindbichler. Außerdem beinhalte die Karte ein "Schlechtwetterprogramm" und könne die Vor- und Nachsaison beleben. Aus den anonymisierten Gästedaten könnten außerdem Kundenwünsche für künftige Urlaube abgelesen werden.

Gespräche mit weiteren Interessenten
feratel führe derzeit auch Gespräche mit anderen österreichischen Interessenten über den Einsatz der neuen touristischen Kundenkarte, auch eine Einführung im Ausland sei später möglich, berichtete feratel-Vorstand Markus Schröcksnadel.

Schröcksnadel bekräftigte gestern die Erwartung von Gewinnen für das am 30. April endende Gesamtjahr 2002/03 sowie das Ziel, eine Dividende auszuzahlen. Mit dem Geschäftsjahr 2002/03 sei man insgesamt "zufrieden", in Deutschland sei das Geschäft auf Grund der anhaltenden Konjunkturflaute allerdings negativ gewesen. feratel habe die Mitarbeiterzahl dort von 63 auf 42 Beschäftigte reduziert. feratel beschäftigt derzeit 125 Vollzeitarbeitskräfte.

Auf Entspannung in Deutschland gehofft
Für das kommende Geschäftsjahr 2003/04 hoffe man auf eine Entspannung der Lage in Deutschland und Fortschritte im Osteuropa-Geschäft. feratel hatte zuletzt in Slowenien einen Auftrag für den Aufbau einer Vermieter- und Eventdatenbank sowie eines Informationssystems in den julischen Alpen mit den fünf Orten Kranska Gora, Bled, Bohinj, Bovec und Sotocje an Land gezogen. Nun hoffe man, auch den vor Vergabe stehende Auftrag für die landesweite Ausstattung mit einem Reservierungssystem zu bekommen, so Schröcksnadel.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2002/03 hatte feratel bei geringeren Umsätzen von 12,7 (nach 13,4) Mio. Euro ein negatives Betriebsergebnis (EBIT) von minus 987.000 Euro nach minus 1,06 Mio. Euro ausgewiesen.

Weitere Informationen:

  • feratel-Website

    23.4.2003 12:14