Mittwoch, 23. April 2003

Bagdad-Arzt Peter Grohr im NEWS-Interview

  • "Arzt ohne Grenzen": Alarmierende Zustände in Spitälern
  • "Anarchie, Waffengewalt, verstärkter religiöser Einfluss"

In einem NEWS-Interview berichtet Dr. Peter Grohr, der als Vertreter der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" während des Irak-Krieges in Bagdad vor Ort war, über seine Arbeit. Grohr, den NEWS nach seiner Ausreise aus dem Irak in Amman erreichte, spricht von alarmierenden Zuständen bei der medizinischen Versorgung der Kriegsopfer, vor allem in Bagdad. Grohr: "Die Krankenhäuser waren während des Krieges gar nicht so schlecht versorgt (...) Nach Kriegsende aber herrschte reine Anarchie. Viele Spitäler wurden mit Waffengewalt geplündert."

Das Krankenhauswesen in Bagdad müsse neu organisiert werden. Grohr: "Viele Ärzte und Pfleger kommen in der Hauptstadt nicht mehr zum Dienst, weil es kein Benzin für die Autos gibt oder zuhause auf ihre Familien aufpassen müssen. (...) In einigen Spitälern sind religiöse Einflüsse sehr stark geworden. Mancherorts brechen offene Konflikte zwischen verfeindeten Personen aus. Kurz vor meiner Abreise kam es in einem Krankenhaus zu einer Schießerei."

Grohr hatte anfangs im Al-Kindi-Hospital Hilfe geleistet und verlegte nach dessen Plünderung seine Tätigkeit in das kleinere Al-Safrania-Spital. Erschwert wurde Grohrs Arbeit durch die Entführung zweier Kollegen durch den irakischen Geheimdienst. Grohr: "Wir bangten Tag und Nacht. Bin ich der Nächste?"

23.4.2003 12:26