Handke: Abschied vom Übersetzen, Attacke gegen Schröder & Fischer

Peter Handke beendet mit der am 11. Mai stattfindenden Burgtheater-Premiere von Sophokles "Ödipus in Kolonos" seine Tätigkeit als Übersetzer. Das erklärt der Autor in einem Interview für die am Donnerstag erscheinende NEWS-Ausgabe. Handke hat etwa mit "Prometheus gefesselt" (Aischylos, UA Salzburger Festspiele) und Shakespeares "Wintermärchen" Genre-Geschichte geschrieben.
Handke zur Aktualität des Stücks: "Hoffentlich wird das in der Inszenierung nicht zu deutlich! Aber in diesem Stück ist so klar, wie in keinem anderen antiken Drama, was Recht ist, was dein Land und was das andere Land ist, und ob ein Land in einem fremden Land einfach machen kann, was es will. Diese Aktualität ist ein unglaublicher, tragischer Zufall. 'Ödipus in Kolonos' ist wie eine große Ballade - nicht wie eine deutsche Ballade, sondern eine, wie sie manche amerkanische Sänger früher gesungen haben. Die Situationen sind so gewaltig: wie der Vater den Sohn verflucht, wie die Schwester Abschied nimmt vom todgeweihten Bruder. Nehmen Sie Ödipus: Er kann nie verzeihen, dass er aus seinem Land vertrieben wurde. Jetzt wollen sie ihn als Maskottchen für einen Bruderkrieg zurück haben. Aber eher will er, dass seine Söhne zugrunde gehen. Das gibt es. Je älter Sie werden, desto unbarmherziger werden Sie. Ein alttestamentarisches, total biblisches Stück. Die Situationen sind ewig und scharf zugleich. Das ist wirklich episches Theater."
Attacken gegen Schröder und Fischer
Scharf wendet sich Handke in NEWS gegen den Deutschen Schriftstellerverband, der Gerhard Schröder und Joschka Fischer wegen ihrer Haltung im Irak-Krieg für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels vorgeschlagen hat: "Ich habe gerade irgendwo gelesen, dass der deutsche oder ein deutscher Schriftstellerverband - vielleicht gibt es mehrere von diesen Heroen der Neuzeit - den Außenminister Fischer und den Kanzler Schröder für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels vorgeschlagen hat. Wenn das stimmt, nenne ich mich ab jetzt nicht mehr Schriftsteller, sondern Vagabund oder Straßenkehrer. Mit diesem Vorschlag ist das Wort Schriftseller außer Gebrauch zu setzen. Diese Leute, die den Krieg gegen Jugoslawien vor vier Jahren scheinheiligst losgebrochen haben, sagen vier Jahre später noch scheinheiliger: 'Von diesem Krieg sind wir nicht überzeugt'. Ein unsterblicher Spruch von dem Herrn Fischer! Wenn es stimmt, dass man dafür vom deutschen Schriftstellerverband für den Friedenspreis vorgeschlagen wird, dann höre ich auf. Mein Beruf wird dann Rentner oder Maikäfer oder irgendwas."
Das gesamte Interview lesen Sie im neuen NEWS!
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