Dienstag, 22. April 2003

"Bergführer" Hickersberger sucht nach Ursachen

  • Auch hohe Erwartungen Grund für Frühjahrs-Talfahrt
  • Verstärkungen auf Schlüsselpositionen geplant

Nach dem enttäuschenden Frühjahrsstart des österreichischen Rekordmeisters Rapid Wien, der zuletzt in drei Niederlagen in Serie mit einer Tordifferenz von 0:7 gipfelte, wird im Lager der Hütteldorfer weiter Ursachen- forschung betrieben. Trainer Josef Hickersberger ließ dabei seiner Vorliebe für blumige Metaphern freien Lauf und sieht sich in der Rolle des "Bergführers". "Wir befinden uns auf einer Gratwanderung, einem schwierigen und steilen Anstieg. Zuletzt sind wir gewaltig abgerutscht und hängen nun in den Seilen, die gesamte Seilschaft und ich mittendrin", erklärte der frühere ÖFB-Teamchef.

"Nun prasseln von überall Steine in Form von Kritik auf uns. Jetzt ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam aufrappeln und wieder hochkommen", setzte "Hicke" fort. "Wie es bei Bergunfällen ist, gibt es Neugierige im Tal, die mit dem Fernrohr beobachten, wie viele Opfer der Zwischenfall gefordert hat oder ob die Lebenserhaltungs- maßnahmen greifen", meinte Hickersberger.

Hohe Erwartungen starteten Absturz
Der Grund für den Absturz liegt für Hickersberger unter anderem an den zu hohen Erwartungen (angestrebt wurde Platz zwei) vor den Frühjahrsrunden. "Wir hatten uns ein Ziel gesteckt, dass im Nachhinein kontraproduktiv war. Die Spieler haben sich einen Punkteschnitt ausgerechnet, bei dem ich ihnen gesagt habe, dass ist der Schnitt einer Meistermannschaft. Wenn sich dann abzeichnet, dass das Ziel nicht erreicht wird, wird's gefährlich", sagte der frühere ÖFB-Teamspieler.

Neue Spieler müssen geholt werden
Rettung soll spätestens in der Sommerpause mit der Verpflichtung von einigen neuen Spielern nahen. "Ich weiß, wo der Schuh drückt. Wir haben Probleme im Angriff und bei hohen Bällen, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Die Mannschaft muss auf Schlüsselpositionen verstärkt werden", sagte der Rapid-Coach und gab die Devise für die nähere Zukunft aus. "Jetzt gilt es, längerfristig und gezielt Leute zu holen, um dieses Manko zu beheben, was bei unserer finanziellen Situation natürlich schwierig ist. Für uns kommen nur ablösefreie Spieler in Frage. Das ist eine Sysiphus-Arbeit, Spieler zu finden, die leistbar sind und Rapid weiterhelfen", weiß Hickersberger.

Keine Verhandlungen mit Davor Suker
Der Rapid-Trainer bestätigte das grün-weiße Interesse an Ex-Teamspieler Stefan Lexa, Manager Werner Kuhn dementierte hingegen Verhandlungen mit 1860-Stürmer Davor Suker, WM-Torschützenkönig von 1998. "Meines Wissens gibt es keine Kontakte", erklärte Kuhn, der "seit dem Stadthallenturnier" Gespräche mit mehreren Spielern führt.

Manche Verträge werden vorzeitig gekündigt
Obwohl zu Saisonende nur die Verträge von Andi Herzog, Ivan Knez, Jürgen Saler und Saoud Fath auslaufen, dürften die Grün-Weißen im Sommer wohl mehr Kickern die Tür weisen. Hickersberger führt nach eigenen Angaben Listen von Spielern, mit denen er in Zukunft nicht mehr plant, wollte aber keine Namen nennen. Manager Kuhn ist in diesem Zusammenhang schon aktiv geworden. "Es gibt Gespräche über die vorzeitige Beendigung von Verträgen."

Man zeigt sich mit Finanzlage zufrieden
Größere Entlastungen für die Rapid-Finanzen und damit mehr Ressourcen für eine aktive Transferpolitik sind trotzdem nicht in Sicht. Dennoch hält Kuhn das Etat des Rekordmeisters für ein "in Österreich sehr gutes Budget, dass aber sicher nicht große Sprünge erlaubt. Ein doppeltes Budget wäre wichtig. Das habe ich nicht geschafft, ich stelle mich der Verantwortung", gab sich Kuhn selbstkritisch.

Gut Ding braucht Weile
Der Verantwortung muss sich nun auch die Mannschaft stellen, um eine ähnlich verpatzte Saison wie im Vorjahr noch zu vermeiden. "Es ist nicht eine Frage von Monaten, sondern es dauert bestimmt zwei bis drei Jahren, bis Rapid wieder dort ist, wo der Klub hingehört." Ob er beim geplanten Weg zurück an die Spitze, wie am Sonntag von Präsident Rudolf Edlinger angekündigt, einen Sportmanager zur Seite gestellt bekommt, soll sich bei einem Gespräch in den kommenden Tagen weisen. "Ich will dem Präsident in dieser Sache nicht vorgreifen", meinte Hickersberger.

Laursen nicht im Rapid-Kader gegen GAK
Der Däne Jacob Laursen scheint nicht im Kader von Rapid Wien für das Meisterschafts-Heimspiel am Mittwoch gegen den GAK auf. "Es gibt Spieler, die mit ihm nicht besonders gut können. Die Integration ist nicht besonders gut gelungen", begründete Trainer Josef Hickersberger die Maßnahme.

Entgegen früherer Wortmeldungen bekräftigte Manager Werner Kuhn, dass der Verein den Abwehrspieler vor dem Engagement sehr wohl beobachtet hätte. "Nur war er damals im letzten Sommer für uns unerschwinglich. Er hat dann zuletzt nicht mehr gespielt, daher haben wir ihn auch nicht mehr gesehen, aus diesem Grund konnten wir ihn aber auch verpflichten", erklärte Kuhn.

22.4.2003 15:47