Montoya kritisiert die Schumacher-Brüder
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Nicht nur positive Stimmen ernten die Schumacher-Brüder nach ihrer Entscheidung am Tag des Todes ihre Mutter Elisabeth ein Formel-1-Rennen zu bestreiten. Besonders massiv sind die Angriffe von Williams-Piloten Juan-Pablo Montoya.
„Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt Juan-Pablo Montoya. Nach den Anschlägen vom 11. September seien die Schumachers so betroffen gewesen, dass sie sich in Monza nicht richtig auf das Rennen konzentrieren konnten. „Und jetzt, wo ihre eigene Mutter im Sterben liegt, da fahren sie ohne Probleme in die erste Startreihe.
Intimes Begräbnis
Die deutschen Formel-1-Piloten Michael und Ralf Schumacher möchten ihre am Ostersonntag gestorbenen Mutter Elisabeth im privaten Familienkreis beerdigen. Die Familie hält den Termin für das Begräbnis geheim. Man werde zu dem Thema nichts sagen, erklärte Michael Schumachers Sprecherin Sabine Kehm am Dienstag auf Nachfrage. Die Familie habe den Wunsch nach Privatheit. Der Arbeitgeber des fünffachen Champions hatte Michael Schumacher für diese Woche von seinen Pflichten entbunden. Die für Donnerstag und Freitag geplanten Ferrari-Testfahrten auf dem Kurs in Mugello braucht der Kerpener nicht zu absolvieren. Ralf Schumacher hatte in dieser Woche nach Auskunft seines Sprechers ohnehin keine dienstlichen Termine gehabt.
Pressestimmen zur Schumi-Entscheidung
Mit großem Respekt, aber teilweise auch kritischen Tönen haben deutsche und internationalen Medien am Dienstag den Start der Schumacher-Brüder beim Großen Preis von San Marino am Ostersonntag in Imola kommentiert. Als private Entscheidung werteten einige die Rennteilnahme von Michael und Ralf Schumacher. "Doch anstatt weiter an seiner eigenen Heldensaga zu stricken, wäre für Michael Schumacher (und für seinen jüngeren Bruder natürlich auch) Gelegenheit gewesen, ein stilles, leises Kapitel über den Menschen zu schreiben.
Schade, dass beide Schumachers es nicht getan haben", befand die "Frankfurter Rundschau". Und die "Bild"-Zeitung fragte auf der Titelseite: "Schumi, war das richtig?" Michael und Ralf Schumacher waren am Sonntag beim Rennen in Imola trotz des Todes ihrer Mutter angetreten. In der Formel 1 hatte ihnen diese Haltung Mitgefühl und Hochachtung von Kollegen und Konkurrenten eingebracht. Dem fünffachen Weltmeister gelang in Imola der erste Saisonsieg, sein Bruder Ralf wurde Vierter.
Heroische Leistung oder Abstumpfung?
In den Medien wurde das Thema am Dienstag zum Teil kontrovers diskutiert. "Man mag das Verhalten der Schumis professionell finden, die Leistung sogar heroisch. Vielleicht ist es einfach aber nur Ausdruck der branchenüblichen Abstumpfung. Man müsste ja nachdenken - über sein Tun, über sein Leben und über sich selbst", kommentierte das "Badische Tagblatt".
"Der Umgang mit Trauer ist Privatsache"
Ein Großteil der Zeitungen äußerte Respekt und Verständnis für die Entscheidung der beiden Formel-1-Piloten. "Der Umgang mit Trauer ist Privatsache", fanden die "Ruhr Nachrichten" und standen damit stellvertretend für einige andere Blätter. "Wie banal, wie geschmacklos sind die Fragen der selbst ernannten Bedenkenträger, die den Imola-Start der Schumachers womöglich für pietätlos halten", fand die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ).
Auch im "Münchner Merkur" hieß es: "Doch sollte sich niemand anmaßen, über den Umgang der Brüder mit ihren Gefühlen zu urteilen. Sie verhielten sich so, wie es ihnen richtig und angemessen erschien - und diese Entscheidung ist zu respektieren."
Viel Lob in England und Italien
Im europäischen Ausland wurde vor allem die sportliche Leistung gewürdigt. Der englische "Daily Telegraph" lobte den Sieg Michael Schumachers als "Akt eines Champions im Sport und im Alltagsleben, ein Akt des Triumphes". Die spanische Sportzeitung "AS" fand: "Schumacher zeigte sich von seiner menschlichsten Seite." Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" titelte: "Im Namen seiner Mamma hat Michael Schumacher die Zähne zusammen gebissen. Er fuhr, siegte - und weinte."
