Montag, 21. April 2003

US-Militär glaubt an erste Spur zu Irak-Chemiewaffen

  • Irakischer Wissenschaftler führt zu vergrabenem Material
  • UNMOVIC zweifelt

US-Militärexperten haben - nach Informationen der "New York Times" (NYT) - eine erste "heiße Spur" zu verbotenen irakischen Waffen gefunden. Ein irakischer Wissenschaftler habe die Militärs zu Orten geführt, an denen Zwischenprodukte einer Chemikalie vergraben worden seien. Die UNO zweifelt: Einfache Chemikalien können jederzeit auch nur zivil genutzt werden.

Nach Angaben des Forschers steckte die irakische Führung wenige Tage vor dem Einmarsch der US-geführten Streitkräfte ein Lager in Brand, in dem Biowaffen entwickelt worden waren, wie eine Reporterin der "NYT" weiter berichtete.

Die Korrespondentin hatte die Einheit des Militärgeheimdienstes bei ihrer Suche begleitet, durfte allerdings nicht selber mit dem Wissenschaftler sprechen.

Schon Monate vor dem Krieg habe die irakische Führung chemische Zwischenprodukte und weiteres brisantes Material vergraben, angeblich, um es vor den Koalitionstruppen zu verbergen und für eine spätere Verwendung aufzubewahren.

Der irakische Wissenschaftler habe den US-Experten Unterlagen, Materialproben und weitere Beweise beschafft, die dem Weißen Haus bereits am Freitag vorgelegt worden seien. Er habe der US-Armee vor etwa zwei Wochen einen Brief zugespielt, in dem er seine Zusammenarbeit angeboten habe.

UNO zweifelt
Mit Skepsis hat die UNO-Waffenkommission UNMOVIC auf Berichte über den Fund von Komponenten angeblich illegaler Waffen im Irak reagiert. UNMOVIC-Sprecher Ewen Buchanan wies am Montag in New York darauf hin, dass viele Bausteine für chemische Waffen genauso für zivile Projekte benötigt und eingesetzt würden. Ein Beispiel sei Chlor, ein wichtiger Baustein des chemischen Kampfstoffes Senfgas, der aber auch für die Klärung von Trinkwasser verwendet wird. Bevor nicht mehr Details über die jetzt gefundenen Substanzen bekannt würden, sei der Schluss verfrüht, dass es sich um Komponenten von Massenvernichtungswaffen handeln müsse, warnte UNMOVIC.

21.4.2003 13:42