Montag, 21. April 2003

USA wollen offenbar UN-Sanktionen gegen Nordkorea

  • USA prüfen Vorschlag Nordkoreas über Beilegung des Streits

Nach dem von den USA gemeldeten Eingeständnis Nordkoreas, Atomwaffen zu besitzen, will Washington offenbar UN-Sanktionen gegen das kommunistische Land durchsetzen. Die Regierung habe zwar noch keine endgültige Position eingenommen, sagte US-Präsidentensprecher Ari Fleischer am Freitagabend. Aber man werde nun die Meinungen anderer beteiligter Länder zum Thema Sanktionen einholen.

Bei den ersten Gesprächen, die zwischen Delegationen aus Nordkorea und den USA unter Beteiligung Chinas von Mittwoch bis Freitag in Peking stattfanden, hatte Pjöngjang indes ein neues Angebot zur Beilegung des Atomstreits unterbreitet. Nach japanischen Regierungsangaben sagte US-Delegationsleiter James Kelly am Samstag in Tokio, der Vorschlag Nordkoreas werde derzeit in Washington geprüft. Nordkorea wertete seinen Vorschlag in einer Erklärung als "neues und mutiges Angebot, um bilaterale Probleme auszuräumen". Washington gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Nordkorea will Atomwaffen testen
Am Freitag war aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet, Pjöngjang habe gegenüber Kelly nicht nur den Besitz von Atomwaffen eingeräumt, sonder ferner das Recht beansprucht, diese zu testen, zu exportieren und einzusetzen. Südkoreanische Experten sprachen von einem möglichen Bluff Pjöngjangs, um Zugeständnisse der USA zu erhalten.

Südkorea will Pjöngjang zu Atomprogramm-Stopp bewegen
Eine Delegation aus Südkorea will am Sonntag nach Pjöngjang reisen, um die kommunistische Regierung mit den US-Angaben zu konfrontieren. Der Nationale Sicherheitsrat tagte am Samstag in Seoul. In einer Erklärung hieß es, die Delegation mit Kabinettsrang werde Nordkorea "vehement zur Aufgabe seines Atomprogramms und zum Wandel seiner Haltung" drängen.

Derweil meldete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, eine Delegation aus Pjöngjang unter Leitung des stellvertretenden Außenministers Choe Su Hon habe sich am Samstag auf den Weg nach Großbritannien gemacht. Nähere Details wurden nicht bekannt gegeben.

UN-Sanktionen als Kriegserklärung?
Bisher verhinderten China und Russland, dass sich der Weltsicherheitsrat mit Sanktionen gegen Nordkorea befasst. Pjöngjang verkündete mehrfach, es werde internationale Sanktionen als "Kriegserklärung" betrachten. Nach dem Dreiertreffen in Peking wächst nun offenbar die Ungeduld in Washington. "Nordkorea hat mit seinem Verhalten nicht nur der Region eine lange Nase gemacht", sagte Fleischer, "sondern einem Großteil der Welt. Dafür wurde das Land von einem Großteil der Welt verurteilt."

Die USA fordern von Pjöngjang die "überprüfbare und unwiederbringliche" Auflösung des Atomwaffenprogramms. Nordkorea will von Washington seinerseits einen Nichtangriffspakt erzwingen.

21.4.2003 15:10