Klaus in Frage der Sudetendeutschen gesprächsbereit
- Wien & Prag wollen Interessen in EU gemeinsam durchsetzen
- Klestil: Sollen in die Zukunft blicken

Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus hat sich in der Frage der nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen gesprächsbereit gegeben. "Wir sind uns bewusst, was damals passiert ist. Wir sind bereit, diese Frage zu diskutieren", sagte Klaus heute, Mittwoch, nach einem Gespräch mit Bundespräsident Thomas Klestil in der Wiener Hofburg. Auf die Frage, ob Prag auch zu formellen Verhandlungen mit Wien bereit sei, sagte Klaus, "das ist für uns beide (Klaus und Klestil, Anm.) zuviel. Eventuell müssen die beiden Regierungen etwas machen".
Klestil sagte, dass aus österreichischer Sicht diese Frage "noch nicht zufriedenstellend gelöst" sei. Als künftige EU-Mitglieder sollten Tschechien und Österreich aber in die Zukunft blicken. Zu der Frage des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin hielt der Bundespräsident fest, dass der Melker Prozess von beiden Staaten befolgt werde.
Klaus und Klestil unterstrichen die Absicht der beiden Länder, innerhalb der EU enger zusammenzuarbeiten. "Wir müssen gemeinsam unsere eigenen Interessen in Europa verteidigen", sagte Klaus unter Hinweis auf die Frage der EU-Reform. Daneben gebe es noch "viele kleine Dinge", bei denen Tschechien und Österreich kooperieren können. Auch Klestil stellte fest, dass man innerhalb der EU die eigenen Interessen nur erfolgreich durchsetzen könne, wenn man Allianzen bildet. "Ich stelle mit Bedauern fest, dass Österreich sehr oft allein bleibt."
Klestil betonte ferner, dass die Kooperation mit den neuen zentraleuropäischen EU-Mitgliedern auf gleichberechtigter Basis erfolgen solle. Im Hinblick auf den EU-Beitritt sagte Klaus, Prag nehme diesen "ernst und verantwortungsvoll", allerdings erwarte man sich auch bestimmte positive Effekte davon. Die beiden Präsidenten kamen auch darin überein, dass die Vereinten Nationen im Nachkriegs-Irak eine bedeutende Rolle spielen sollen.
Klaus hält sich zu einem eintägigen offiziellen Arbeitsbesuch in Wien auf. Nach einem Mittagessen mit Klestil sind noch Gespräche mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Nationalratspräsident Andreas Khol (V) geplant. Österreich ist das vierte Land, das Klaus nach seinem Amtsantritt Anfang März besucht. Zuvor hatte der tschechische Präsident die Nachbarländer Slowakei, Polen und Deutschland besucht. Damit habe er eigenen Worten zufolge zeigen wollen, welchen großen Wert er auf gute Nachbarschaftsbeziehungen lege. Dass diese Tournee in Österreich ihren Abschluss findet, bedeutet aber Klaus zufolge nicht, dass "Wien an letzter Stelle steht".
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