Freitag, 18. April 2003

Weinmarketing macht mobil gegen Fasswein-Exporte

  • 2002 erstmals mehr Exporte als Importe
  • Wieder mehr heimischer Wein im Lebensmittelhandel

Österreichs Weinwirtschaft konnte im Vorjahr zwar mit 60,3 Millionen Litern einen Rekordwert bei den Exporten verbuchen - es wurde sogar mehr Wein exportiert als importiert. Für den Geschäftsführer der Österreichischen Weinmarketing-Servicegesellschaft ÖWM, Michael Thurner, ist es jedoch "kritisch, dass nach wie vor zwei Drittel der Weinlieferungen ins Ausland im Fass passieren".

"Wir müssen daran arbeiten, dass auch diese Wertschöpfung in Österreich bleibt", fordert Thurner.

Mehr Weißwein für die USA
An konkreten Maßnahmen stellt sich die ÖWM vor, das Vermarktungssystem für heimischen Wein verstärkt auf das DAC-System auszurichten und zu versuchen, mehr Weißwein - zum Beispiel in die USA - zu exportieren. Auch die osteuropäischen Märkte - allen voran Tschechien und Polen - sollen künftig verstärkt bearbeitet werden, weil auch dort noch "Platz für Weißwein ist". Langfristig wolle man die Hoffnungsmärkte China und Indien bearbeiten, hieß es.

Das von der EU geförderte Programm zur Umstellung von Weiß- auf Rotweinproduktion werde darüber hinaus weiter forciert, zumal österreichischer Rotwein nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland immer gefragter wird (die Rotwein-Exporte sind 2002 im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 16,5 Mio. Liter gestiegen). "Kurzfristig kann die Problematik jedoch nicht gelöst werden", so Thurner.

Derzeit werde hier zu Lande auf rund 14.000 ha Rotwein angebaut. Die Österreicher konsumieren jedoch Rotwein von 24.000 ha, so Thurner. Durch das Förderprogramm könnten 3.000 ha Rotwein-Fläche dazu kommen.

Punkten im Ausland könne Österreich nur über die Qualität, denn weltweit werden 50 Millionen Liter - oder ein Fünftel der Gesamtweinerzeugung von 250 Mio. Liter - an Überschuss-Wein produziert. Zum Vergleich: Die Gesamtproduktion in Österreich liegt im Schnitt zwischen 2,5 und 2,6 Millionen Hektoliter, in den Export gehen rund 20 Prozent davon.
Wobei ein gutes Viertel der Exportmenge Rotwein ist.

An Überschuss erzeugt Österreich etwa 20 bis 30 Millionen Liter Wein im Jahr, vor allem aus dem "absoluten Billigsegment".

Exportmarkt Deutschland
Wichtigster Exportmarkt für heimischen Wein ist nach wie vor Deutschland. Dort gebe es keine Sprachbarriere und ein ähnliches Weingesetz. Der Marktanteil liege dort bei 2 Prozent. 1 Prozent Zuwachs würde ein Plus von 15 Mio. Liter bedeuten und bereits einen Großteil der Überschussmenge auffangen, rechnet Thurner vor.

Der hohe Anteil an Fassweinexporten führte im Vorjahr auch zu einem Rückgang beim durchschnittlich erzielten Preis für Export-Wein von 6 auf 94 Cent je Liter - obwohl sogar um 30 Prozent mehr - vor allem hochwertiger - Rotwein ins Ausland geliefert wurde. Mit diesem Preisniveau liege Österreich gleich auf mit Chile, räumte Thurner ein. Der Durchschnitts-Exportpreis für italienischen Wein liege etwa bei 1,5 Euro je Liter.

Nach vielen Jahren seien im Vorjahr die Weinimporte von 59 auf 51,5 Mio. Liter erstmals wieder zurück gegangen, freut sich Thurner. Dies zeige, dass Österreichs Weine im Inland wieder mehr Bedeutung bekommen und dadurch der Importbedarf nicht mehr so groß sei. Vor allem im Lebensmittelhandel zeichne sich eine Trendwende ab: der Marktanteil an heimischen Weinen steige wieder, zu Lasten des Ab-Hof-Verkaufes.

18.4.2003 09:32
GUSTO-Rezeptsammlung