Donnerstag, 17. April 2003

Neue Plage: Kopierschutz auf gekauften CDs

  • CDs lassen sich oft nicht auf PCs abspielen
  • Der große E-MEDIA-Test! Welche CDs sind wo abspielbar?

Es ist das Ärgernis des Frühjahres 2003. Immer mehr CD-Originale lassen sich zwar auf Stereoanlagen abspielen (aber auch dafür gibt es keine 100-prozentige Garantie), nicht aber am PC. Nicht am Notebook. Und: Eine (erlaubte) Privatkopie brennen – Fehlanzeige. Schuld daran – der Kopierschutz.

Doch es kommt noch besser: In den letzten Wochen meldeten sich bei E-MEDIA immer öfter empörte Leser. Grund ihrer Aufregung: Legal gekaufte CDs ließen sich nicht am Autoradio abspielen. Sogar die Heimanlage soll gestreikt haben.

E-MEDIA-Test
E-MEDIA wollte wissen: Welche CD läuft auf welchem Gerät? Und wo bleibt die Scheibe stumm? 50 CDs aus allen Musikrichtungen: Pop, Rock, Country, Klassik. Wir testeten ihre Abspieltauglichkeit auf Stereoanlagen, Autoradios, tragbaren CD-Playern in CD-Brennern und auf DVD-Laufwerken am PC.

Das Ergebnis ist ernüchternd:

  • Die gute Nachricht (es bleibt leider die einzige): Alle CDs liefen auf tragbaren CD-Playern einwandfrei – aber nur dort!
  • Denn bei den Heimanlagen bockten schon zwei CDs. "Mensch" von Herbert Grönemeyer und "100th Window" von Massive Attack blieben stumm.
  • Die gleiche Situation beim Test im Auto: Beim Sampler "Divas – The Number One" – mit Stars wie Alicia Keys, Kylie Minogue oder Anastacia – kam kein Ton aus den Boxen. Ebenso wie beim neuesten Album "Unbelievable" von Sarah Connor. Und das auf einer sündteuren Alpine-Anlage.
  • Bitter wird’s am Computer. Jede zweite (!) CD im Test spielte bei PC-Laufwerken verrückt. 32 Prozent konnten gar nicht abgespielt werden. Und bei 26 Scheiben verhinderte der Kopierschutz ein Abspielen mit dem Standardplayer des Computers. Stattdessen liefen die CDs nur mit spezieller Player-Software, die sich entweder auf der CD befindet oder erst aus dem Internet heruntergeladen werden muss. Die Musikdateien sind stark komprimiert. Werden mitunter sechsmal schlechter wiedergegeben als MP3-Files in CD-Qualität. Anders gesagt: hundsmiserabler Sound.
  • Eine regelrechte Tragödie spielt sich beim Kopier-Test ab. Wir versuchten (vollkommen legale) Privatkopien der CDs zu erstellen, ohne den Kopierschutz mit Software zu "knacken". Resultat: Jede fünfte CD ließ sich nicht rippen. Abspeichern der Songs am PC im MP3-Format: nicht möglich. Der Brenn-Test verlief noch schlimmer: 38 Prozent der CDs konnten nicht direkt auf einen Rohling kopiert werden. Heißt: Bei jeder dritten CD ist die Erstellung einer Privatkopie, etwa fürs Auto (sofern das Original dort läuft), nicht möglich. Und das, obwohl man ein Recht darauf hat. Kopierschutz auf CDs. Notwendig oder lästige Pflanzerei?
Fazit
Das Opfer: Ausgerechnet der, den die Musikindustrie hegen und pflegen sollte: der zahlende Kunde.

Die gesamte Story - sowie den umfangreichen Test - lesen Sie im aktuellen E-MEDIA!

17.4.2003 17:22