Donnerstag, 17. April 2003

US-Boykottaufrufe trafen vor allem Franzosen

  • Deutsche blieben weitgehend verschont
  • Druck der französischen Wirtschaft auf Chirac

Die Aufrufe zum Boykott französischer und deutscher Produkte in den USA wegen der Differenzen der jeweiligen Regierungen in der Irak-Politik haben sich offenbar nur auf Frankreich ausgewirkt. Während Importeure von französischen Weinen und Konsumgütern in den USA über bedeutende Umsatzrückgänge in den vergangenen zwei Monaten klagen, ist die deutsche Exportwirtschaft bisher verschont geblieben.

Der französische Unternehmerverband Medef hat eine "signifikante" Auswirkung der politischen Verstimmung auf Exporte in die USA konstatiert. Dadurch wachse auch der Druck auf den französischen Präsidenten Jacques Chirac, im Streit mit der US-Regierung eine konziliantere Haltung einzunehmen. Die französischen Exporte in die USA beliefen sich im Vorjahr auf 28,4 Mrd. Dollar (26,2 Mrd. Euro). Zahlen für heuer wurden bisher nicht bekanntgegeben.

Zwanzig Prozent weniger Touristen
Auch der Tourismus blieb offenbar nicht verschont: Die Zahl der US-Besucher in Frankreich sei um 20 Prozent zurückgegangen. Allerdings wurde im mit den USA verbündeten Großbritannien ein noch stärkerer Rückgang gemeldet, heißt es von Seiten Frankreichs.

Auch Spenden an US-Army halfen nichts
In den USA ansässige Importeure von französischen Weinen und anderen Konsumgütern bekannter Marken melden für die vergangenen beiden Monate Rückgänge von zehn bis 50 Prozent. Auch eine Aktion des Weinimporteurs Guillaume Touton, Präsident von Monsieur Touton Selection Ltd. in New York, der für jede gekaufte Flasche französischen Weines einen Dollar an die US-Armee spendete, konnte die Umsätze nicht ankurbeln. Viele Restaurants und Händler hätten französischen Wein durch amerikanischen, australischen, spanischen und italienischen Wein ersetzt.

Die deutsche Exportwirtschaft wurde hingegen von den Boykottaufrufen, die sich sowohl gegen Franzosen als auch gegen Deutsche richteten, nach eigenen Angaben nicht betroffen. Bei einer Umfrage der Vereinigung deutscher Industrie- und Handelsverbände bei mehr als 300 deutschen Unternehmen, die mit den USA Geschäftsbeziehungen haben, wurde kein Effekt festgestellt.

Deutsche Position als "Unfall"
Die Irak-Position der deutschen Regierung sei möglicherweise in den USA als "Unfall" im Zusammenhang mit den deutschen Bundestagswahlen im vergangenen Herbst gesehen worden, meinte der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Michael Rogowski. Für Mai ist ein von der deutschen Botschaft in den USA arrangiertes Treffen zwischen deutschen und amerikanischen Wirtschaftsvertretern geplant, um die Beziehungen weiter ungestört zu halten.

17.4.2003 08:14