Mittwoch, 16. April 2003

Baldige Aufklärung der Causa "SW Bregenz" erwartet

  • Ergebnis der Untersuchungen bei SW Bregenz in einer Woche
  • SW Bregenz-Präsident will von Ex-Trainer Geld zurück

Bereits in einer Woche erwartet der Sprecher des Landesgerichts Feldkirch, Heinz Bildstein, eine erste Auswertung der Unterlagen, die bei Fußball-Bundesligist SW Bregenz beschlagnahmt wurden. "Ich gehe davon aus, dass am Dienstag oder Mittwoch ein erstes Ergebnis da sein wird", sagte Bildstein am Mittwoch.

Die Hausdurchsuchungen hätten die Clubräume, die Bank sowie die Wohnungen von Präsident Hans Grill, Ex-Manager Markus Feldkircher und des sportlichen Leiters Josef Pircher betroffen, bestätigte der Sprecher des Landesgerichts. Zudem seien sechs oder sieben Spieler befragt worden. Untersucht werde "derzeit vor allem der Zeitraum der Präsidentschaft von Hans Grill. Eine Ausdehnung ist aber natürlich jederzeit möglich", so Bildstein.

Nach seinen Angaben sind die Hausdurchsuchungen am Dienstag abgeschlossen worden. Am Nachmittag war noch unklar gewesen, ob alle Durchsuchungen bis zum Abend zu schaffen seien.

Ein Racheakt des Trainers?
Einen Racheakt von Ex-Trainer Rainer Hörgl vermutet der Präsident von Casino SW Bregenz hinter dem Vorwurf der Steuerhinterziehung. Hörgl hatte den Verein wegen angeblich ausständiger Gehaltszahlungen auf 50.000 Euro verklagt. SW-Präsident Hans Grill sieht die Sache anders: "Ich bin jetzt sogar draufgekommen, dass der Hörgl zu viel Geld bekommen hat. Das werde ich zurückfordern."

Hörgl war im September von SW Bregenz entlassen worden. Er macht geltend, dass ihm eine höhere Gehaltszahlung zugesagt worden sei, Präsident Grill verweist darauf, dass dieser neue Vertrag von ihm nicht unterschrieben wurde. "Ich habe sofort gesagt, dass das nicht in Frage kommt", so Grill. Wie er inzwischen gemerkt habe, sei es aber zu Auszahlungen an Hörgl gekommen, die er nun zurückfordern werde.

Grill beteuert seine Unschuld
Im Zuge des arbeitsgerichtlichen Prozesses am Landesgericht Feldkirch waren dann Belege über Barauszahlungen an Spieler aufgetaucht, die laut Aussagen von Mitarbeitern auch nicht verbucht worden waren. Grill beteuert seine Unschuld: Einige Spieler hätten ein paar Mal einen Vorschuss auf die Punkteprämien verlangt. Das Geld dafür habe er von seinem eigenen Firmenkonto abgehoben, die Vorauszahlung sei dann aber bei der normalen Gehaltsverrechnung wieder abgezogen worden.

Mit dem "Sch..."-Wort beschreibt Grill den gestrigen Tag. 20 Finanz- und Gendarmeriebeamte seien zu Hausdurchsuchungen im Klubheim, bei der Bank sowie in den Wohnungen von Grill, Ex-Manager Markus Feldkircher und dem sportlichen Leiter Josef Pircher unterwegs gewesen. Sie hätten Unterlagen bis ins Jahr 1996 zurück mitgenommen. Zudem seien sechs Spieler einvernommen worden: "Und das alles ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel gegen Salzburg."

Keine bewusste Steuerhinterziehung
Der SW-Präsident ist insgesamt aber optimistisch, dass sich die Sache in Wohlgefallen auflöst. Eine bewusste Steuerhinterziehung habe es sicher nicht gegeben "und wenn Kleinigkeiten vorgekommen sind, können sie uns nicht den Kopf abhacken". Unversöhnlich zeigt er sich allerdings gegen Ex-Trainer Hörgl. Einen Vergleich schloss er aus: "Der kriegt von mir keinen Pfennig."

16.4.2003 10:16