"Sie hätte gewollt, dass wir dieses Rennen fahren"
- Trauer, Triumph und Trost für Michael Schumacher
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Ein trauriger Sieger in San Marino
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Mutter von Michael und Ralf gestorben
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Schumi zwei Punkte vor Räikkönen!
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Wer holt sich den WM-Titel 2003?
Trauer, Triumph und Trost: Für Michael Schumacher war sein erster Saisonsieg im Formel-1-GP von San Marino in Imola nach dem Tod seiner Mutter wenige Stunden zuvor der traurigste und zugleich einer der wichtigsten Erfolge seiner Karriere. Einerseits half er ihm in diesen schmerzvollen Momenten ein wenig über den schweren Verlust hinweg, anderseits schaffte der Formel-1-Weltmeister wieder den Anschluss im Titelrennen.
"Sie liebte es, uns Rennen fahren zu sehen. Sie hätte gewollt, dass wir dieses Rennen fahren, da bin ich mir sicher", versicherte Schumacher später, dass die Entscheidung, das Rennen zu bestreiten, auch im Sinne seiner Mutter gewesen wäre. Ferrari-Teamchef Jean Todt strich die Größe des Ferrari-Piloten heraus: "Michael hat heute gezeigt, was für ein Fahrer und was für ein Mensch er ist."
Verständnis im Fahrerlager
Im Fahrerlager von Imola herrschte weitgehende Übereinstimmung, dass ein Startverzicht der Schumacher-Brüder aus moralischen oder Pietätsgründen weder sie selbst noch sonst jemand über die Trauer hinweg getröstet hätte. Gerhard Berger kann sich besonders in die Gefühlswelt seiner ehemaligen Gegner hineinversetzen. "Das war ein sehr trauriger Moment und nicht einfach für die beiden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Die Entscheidung zu fahren, war völlig richtig. Für Eltern ist es am schönsten, wenn ihre Kinder auf dem Siegespodest stehen", sagte der Tiroler, dessen Vater in der Woche vor dem GP von Deutschland 1997 gestorben war. Berger hatte dann in Hockenheim mit Benetton den letzten seiner zehn Formel-1-Siege gefeiert.
Der Weltmeister kämpfte mit den Tränen
Michael Schumacher ließ nach seinem insgesamt fünften Triumph im Autodromo Enzo e Dino Ferrari in sich gekehrt, bedrückt und ohne jegliche Freude die Siegerehrung mit dem zweitplatzierten finnischen WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) und seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (BRA) über sich ergehen. Der Rheinländer, der mit Trauerflor am rechten Overallärmel gefahren war, biss sich auf die Lippen und kämpfte mit den Tränen. Lustlos stemmte er den Pokal für sein Team und die Tifosi kurz in die Höhe. Aber auch die sonst so lautstark jubelnden Fans verzichteten in Imola aus Respekt vor ihrem "Michele" auf das übliche Festival in Rot.
Ralf fuhr mit schwarzem Streifen am Helm
Schumacher flog anschließend direkt nach Hause, ohne sich den Medien zu stellen. Sein Bruder Ralf hatte die Rennstrecke ebenfalls kommentarlos unmittelbar nach dem Grand-Prix-Ende verlassen. Der Williams-BMW-Pilot hatte einen schwarzen Streifen auf seinen Helm geklebt. Nach zeitweise großem Kampf mit Michael und 17 Runden langer Führung reichte es wegen kleinerer Probleme nur zum vierten Rang.
Ferrari-Familie enger zusammen geschweißt
Todt vertrat bei der obligatorischen Pressekonferenz seinen freigestellten Fahrer und Freund. "Es war sehr schwierig für Michael. Er machte seine Arbeit, weil er sie tun wollte", sagte der Franzose. Schumacher habe selbst so entschieden. "Ferrari würde nie einen Fahrer gegen dessen Willen zum Start zwingen", versicherte Todt. Es sei für das gesamte Team eine sehr stressige Situation gewesen, die aber "die Ferrari-Familie enger zusammen geschweißt hat."
M. Schumacher nahm auf Website Stellung
Michael Schumacher bedankte sich bei Ferrari. "Alle im Team, aber wirklich alle, haben mir an diesem schrecklichen Tag zu verstehen gegeben, wie sehr sie hinter mir stehen. Das hat gut getan", teilte der Kerpener auf seiner Homepage mit. Mit bewegenden Worten schilderte er, welchen Stellenwert Motorsport für seine Familie habe. "Meine Mutter liebte es, auf der Kartbahn zu sein. Sie liebte es, wenn wir mit unseren Karts über die alte Strecke in Kerpen düsten."
Vorjahresmodell geht mit Sieg in Rente
In diesem Sinn war Schumachers 65. Grand-Prix-Sieg auch ein Sieg für seine Mutter. Voll konzentriert, kämpferisch, souverän und mit einer perfekten Boxenstrategie gewann der fünffache Champion und wiederholte seinen Vorjahreserfolg. Für Schumacher war es auch deshalb ein besonderes Erlebnis, weil er sich zuvor sehnlichst gewünscht hatte, das Vorjahresmodell F2002 "mit einem Sieg in Rente schicken zu können". Mit keinem anderen Auto glückten dem 34-Jährigen so viele Triumphe: 11 Siege bei 18 Starts. Barrichello steuerte vier weitere Erfolge bei.
Neuer McLaren frühestens in Kanada
In Barcelona (4.5.) soll der neue F2003-GA Grand-Prix-Premiere feiern. McLaren-Mercedes wird den neuen Boliden (MP4-18) hingegen erst frühestens im achten WM-Lauf debütieren lassen. "Nicht früher als in Kanada (15.6., Anm.) und spätestens in Silverstone (20.7.)", sagte Teamchef Ron Dennis zum geplanten Ablauf.
