Mittwoch, 16. April 2003

Schumacher in Imola unter Zugzwang

  • Williams und McLaren wollen Ferrari-Heimsieg verhindern
  • Änderungen im Reglement werden besprochen

Ausgerechnet beim Ferrari-Heim-Grand-Prix steht Michael Schumachers WM-Schicksal auf dem Spiel. In Imola fällt eine Vorentscheidung, ob der fünffache Weltmeister im Titelrennen Anschluss an die davon geflogenen Silberpfeile findet oder weiter hinterherfahren muss. Seit Jahren stand der Deutsche nicht mehr unter solch enormem Druck wie beim Großen Preis von San Marino am Sonntag.

Hinzu kommt, dass aus der erhofften Renn-Premiere des neuen Ferrari F2003-GA am Osterwochenende nichts wird, so dass Schumacher erneut mit dem Vorjahresmodell antreten muss. Dennoch ist er zuversichtlich: "Ich denke, dass wir ein entscheidendes Wörtchen mitreden werden im Kampf um den Sieg."

"Lasse mich nicht verrückt machen"
Dafür wird es nach Schumachers bisheriger Pleiten-Serie auch höchste Zeit. Statt wie in der Vergangenheit von Sieg zu Sieg zu rasen, leistete sich "Mister Zuverlässig" in den drei Überseerennen einen Fehler nach dem anderen. Den schwächsten Saisonstart seiner Grand-Prix-Karriere nimmt der Deutsche auf seine Kappe, sieht aber keinen Grund, deshalb in Hektik zu verfallen. "Wir möchten schlichtweg aus dem kleinen Tal, in dem wir zuletzt steckten, wieder herauskommen, und ich wüsste nicht, warum das nicht klappen sollte", sagte Schumacher vor dem vierten Saisonlauf gelassen. "Ich sehe trotz der Missgeschicke keinen Anlass, mich jetzt verrückt machen zu lassen."

"Michael hat immer Fehler gemacht"
Schumachers einstiger WM-Rivale Jacques Villeneuve hält die diesjährigen Probleme des Titelverteidigers für nichts Besonderes. "Michael hat immer Fehler gemacht. Aber bislang konnte er sie irgendwie wieder gut machen. Dies gelingt ihm in diesem Jahr nicht", sagte der Weltmeister von 1997 bei einer Veranstaltung in Mailand der "Gazzetta dello Sport".

Der Kanadier, der als großer Schumacher-Kritiker gilt, nahm den Deutschen und sein Team aber auch in Schutz. "Bei Ferrari von einer Krise zu reden, scheint mir kühn. Zwei von drei Rennen wurden durch den Regen beeinflusst. Nur in einem hat Michael Fehler gemacht", so der BAR-Pilot. Michael Schumacher hatte in dieser Formel-1-Saison in drei Rennen noch keinen Podiumsplatz erreicht.

Ein gutes Pflaster für die roten Flitzer
Schumacher setzt darauf, dass seine Pechsträhne in Imola ihr Ende findet. Die 4,933 km lange, anspruchsvolle Strecke war bisher ein gutes Pflaster für den Rheinländer. Vier Siege und vier zweite Plätze feierte er hier. Nach dem souveränen Ferrari-Doppelerfolg im Vorjahr, bei dem Williams-BMW chancenlos war und McLaren-Mercedes-Mann David Coulthard als Sechster sich sogar überrunden lassen musste, verwandelten die Tifosi das "Autodromo Enzo e Dino Ferrari" in ein Tollhaus. Die grenzenlose Euphorie ist für Schumacher "eine Verpflichtung, gut abzuschneiden. Unser Ziel ist es, wieder auf die Siegesstraße einzubiegen und den Tifosi Grund zum Feiern zu geben".

Williams-Testfahrten waren vielversprechend
Die silbernen, aber auch die weiß-blauen Widersacher wollen ein rotes Festival verhindern. Die Chancen dafür stehen gut, auch wenn Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug "Ferrari beim Heimrennen als Favorit" bezeichnete. "Das ist kein Understatement." Da die Williams-BMW bei den jüngsten Tests schneller als die Silberpfeile gewesen seien, zählten auch sie zu den Sieganwärtern. "Das wird mindestens ein Dreikampf", prognostizierte Haug.

Trotz des Lobs für die Konkurrenz ist momentan McLaren-Mercedes das Maß aller Dinge. Kimi Räikkönens nachträgliche Rückstufung auf Rang zwei beim Chaos-Rennen von Sao Paulo ist nur ein kleiner Rückschlag. Der forsche Finne führt mit 24 Punkten souverän vor seinem Teamkollegen Coulthard (15). Michael Schumacher (8) schleicht mit 16 Zählern Abstand abgeschlagen als Achter hinterher.

Änderungen im Reglement erwartet
Sein punktgleicher Bruder Ralf (Williams-BMW), der hier 2001 seinen ersten Grand-Prix-Sieg gefeiert hat, kündigte für Imola "einen siegfähigen Wagen" an. "Aber es geht nicht mehr nur darum, Ferrari einzuholen, sondern vor allem darum, McLaren-Mercedes daran zu hindern, den Vorsprung weiter auszubauen."

In Imola geht es aber nicht nur um die Zukunft der Schumacher-Brüder, sondern um die Zukunft der Formel 1. Die Teamchefs diskutieren am Donnerstag mit Max Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes (FIA), über das neue Reglement. Nach dem Regenchaos in Brasilien sind vor allem Änderungen bei den Regenreifen zu erwarten.

Fisichella erhält brasilianischen Siegerpokal
Der nachträglich als Sieger gewertete Giancarlo Fisichella (Jordan-Ford) wird seine Trophäe für den Gewinn des Großen Preises von Brasilien am Freitag vor dem WM-Lauf in Imola erhalten. Der Internationale Automobilverband (FIA) teilte am Mittwoch mit, dass die Übergabe um 10.45 Uhr im Rahmen einer kurzen Zeremonie auf der Start/Ziel-Linie stattfinden soll.

Der Finne Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes), der ursprünglich als Sieger des Rennens in Sao Paulo gewertet worden war, und McLaren-Teamchef Ron Dennis werden den Pokal an den Italiener Fisichella und seinen irischen Teamchef Eddie Jordan übergeben.

16.4.2003 13:33
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