Sonntag, 20. April 2003

Mohammed Hamza Zubeidi in US-Gewahrsam

  • Auch Saddam-Schwiegersohn und Forschungsminister in Haft
  • US-Verwalter Garner in Bagdad eingetroffen (siehe Kasten)

Im Irak ist ein weiteres Mitglied der gestürzten Führungsspitze um Saddam Hussein gefasst worden. Die mit den USA verbündeten Truppen der Free Iraqi Forces (FIF) nahmen in Hillah 80 Kilometer südlich von Bagdad am Montag das frühere Mitglied des Revolutionären Kommandorats, Mohammed Hamza Zubeidi, gefangen.

Er sei anschließend den US-Truppen übergeben worden. Während am Montag in Bagdad der US-Zivilverwalter, der pensionierte General Jay Garner, seine Arbeit aufnahm, demonstrierten Tausende gegen die Festnahme des schiitischen Religionsgelehrten Mohammed el Fartusi. Saddam soll sich nach Informationen des irakischen Oppositionsführers Ahmed Chalabi noch im Irak aufhalten.

Nummer 18
Zubeidi stand an 18. Stelle der US-Fahndungsliste der 55 meistgesuchten Iraker und war in einem vom Pentagon herausgegebenen Kartenspiel mit den Gesuchten die Pik-Dame. Er soll nach US-Angaben Kommandant der Region Zentral-Euphrat gewesen sein. Im Juni 2001 wurde er von Saddam aus dem Kommandorat, dem höchsten irakischen Entscheidungsgremium, entfernt.

Sieben von 55
Sechs weitere Gesuchte waren in den vergangenen Tagen gefasst worden, einer gilt als tot. Unter den Festgenommenen befinden sich zwei von drei Halbbrüdern Saddams, drei frühere Minister und ein hochrangiger Funktionär der gestürzten Einheitspartei Baath. In Syrien soll sich irakischen Oppositionsangaben zufolge auch ein Schwiegersohn Saddams, Jamal Mustafa Abdullah Sultan, gestellt haben.

Jay Garner im Irak
"Es ist ein schöner Tag. Was gibt es Schöneres, als Menschen zu helfen", sagte Garner bei seiner Ankunft in Bagdad. Garner und sein Team wollten sich zunächst einen Überblick über die Lage in Bagdad verschaffen. Vordringlich sei die Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung sowie der Wiederaufbau des Gesundheitswesens.

Aber es gibt auch Kritik an Garner: So steht er in Verbindung mit Rüstungskonzernen und einem rechtsgerichteten jüdischen Think Tank. Deshalb soll er auch nur vorübergehend den Irak verwalten.

Rumsfeld: Nicht vier US-Basen
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dementierte unterdessen energisch, dass die USA im Irak vier Militärstützpunkte errichten wollen. Spitzenbeamte in Washington hätten über ein solches Thema "null Gespräche" geführt, sagte er. Allerdings nannte Rumsfeld weder eine andere Zahl, noch sprach er davon, dass kein Stützpunkt eingerichtet werden solle.

Chalabi meldet sich zu Wort
Chalabi, Vorsitzender des Irakischen Nationalkongresses (INC), sagte dem britischen Rundfunksender BBC, Saddam sei am Leben. Er wechsle mit seinen Söhnen Kusai und Udai aber ständig den Aufenthaltsort innerhalb des Landes. "Wir können Saddam nicht genau lokalisieren", räumte Chalabi ein. Der INC bekomme von Zeit zu Zeit Informationen über den Aufenthalt der drei Gesuchten, jedoch erst 12 bis 24 Stunden, nachdem der ehemalige Machthaber und seine Söhne weiter geflohen seien.

Syrien doch kein Bombenziel?
In den Beziehungen zwischen den USA und dem irakischen Nachbarland Syrien zeichnet sich nach heftigen Turbulenzen wieder Entspannung ab. Es sehe so aus, als ob Damaskus nun kooperiere, sagte US-Präsident George W. Bush. Syrien begrüßte die Erklärung. Die USA hatten Syrien wiederholt vorgeworfen, Angehörigen des irakischen Regimes Zuflucht zu gewähren.

20.4.2003 21:41