Freitag, 18. April 2003

Rumsfeld: Waffen ohne irakische Hilfe nicht zu finden

  • Antiamerikanische Massendemonstration in Bagdad
  • Blix bietet USA Hilfe der UN-Inspektoren im Irak an

Nach 29 Tagen im Irak ist es den USA noch nicht gelungen, die vielbeschworenen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein aufzuspüren. Nun sollen rund 1.000 eigene Spezialisten in den Irak reisen, um die angeblichen ABC-waffen zu finden. Zudem hoffen die USA auf die Hilfe der Iraker; ohne die würde es laut US-Verteidigungsminister Rumsfeld nicht klappen. Hans Blix, UN-Chef-Waffeninspektor, bietet der Koalition seine Dienste an, um die Glaubwürdigkeit etwaiger Funde zu gewährleisten.

Die USA wollen ein eigenes tausend Mann starkes Spezialteam im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchen lassen. Der Gruppe würden Militärs, Geheimdienstmitarbeiter, zivile Wissenschaftler und private Vertragspartner angehören, berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf einen Pentagon-Mitarbeiter. Erste Angehörige der "Irak-Überwachungs-Gruppe" seien bereits im Land, das komplette Team könne in etwa zwei Wochen einsatzbereit sein. Bei der Suche nach den Massenvernichtungswaffen sollen Irakis belohnt werden, die Hinweise auf mögliche Verstecke liefern.

Rumsfeld: Waffen ohne irakische Hilfe nicht zu finden
Die Suche der US-Streitkräfte im Irak nach dort vermuteten chemischen und biologischen Waffen wird nach Worten von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ohne irakische Mithilfe nicht erfolgreich sein. "Ich denke nicht, dass wir alleine irgendetwas finden werden", sagte er am Donnerstag (Ortszeit) vor Mitarbeitern des Pentagons in Washington.

Die USA haben den Krieg gegen den Irak damit begründet, dass die Regierung von Saddam Hussein im Besitz von verbotenen Massenvernichtungswaffen sei. Bisher haben die alliierten Truppen jedoch noch keine dieser Waffen gefunden.

Blix bietet USA Hilfe der UN-Inspektoren an
UN-Chefinspektor Hans Blix hat den USA und Großbritannien die Hilfe der UNO-Waffenkontrollore bei der Bewertung des angeblichen irakischen Massenvernichtungsprogrammes angeboten. Er glaube, dass beide Länder ab einem gewissen Stadium wünschten, dass "ihre Funde auf internationaler Ebene glaubwürdig bestätigt werden", sagte Blix am Donnerstag dem britischen Rundfunksender BBC. Dafür kämen die Inspektoren in Frage, die "von der ganzen Welt als glaubwürdig betrachtet" würden. Die UN-Kontrollore könnten in zwei Wochen ihre Arbeit in Bagdad wieder aufnehmen, versicherte der Leiter der UN-Kontrollmission im Irak.

Streit um Rolle der UN im Irak setzt sich fort
Die Diskussion über die Rückkehr der UNO-Inspektoren ist Teil der größeren Debatte über die künftige Rolle der Vereinten Nationen im Irak. Das von Frankreich, Deutschland und Russland angeführte Lager der Kriegsgegner will verhindern, dass Amerikaner und Briten durch den Ausschluss der Weltorganisation von der Waffensuche auch die nachträgliche Debatte über die Legitimität ihres Angriffs dominieren. Völkerrechtlich sind die USA und Großbritannien nach Erkenntnissen führender Experten zur Zulassung internationaler Inspektionen verpflichtet. Denn die UNO-Resolutionen, die dem Irak das Inspektionsregime auferlegt haben, sind nach wie vor in Kraft, worauf UNO-Generalsekretär Kofi Annan hingewiesen hat.

Moslems in Bagdad demonstrieren für Abzug der USA
Die Demonstranten in Bagdad skandierten am Freitag antiamerikanische Slogans und trugen Transparente mit Aufschriften wie: "Nein zu Amerika, Nein zu einem säkularen Staat. Ja zu einem islamischen Staat". Zuvor hatte Imam Ahmed al Kubaisi in seiner Predigt gesagt, die USA hätten mit ihrem Einmarsch Israel verteidigen wollen. Der Vorsitzende der wichtigsten schiitischen Oppositionsgruppe, des "Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak", Ayatollah Mohammed Bakr al Hakim, hat zu einem großen religiösen Treffen in der kommenden Woche aufgerufen. Alle Schiiten sollten am Mittwoch in großer Zahl im Wallfahrtsort Kerbala erscheinen, forderte Hakim am Donnerstag nach Angaben des iranischen Nachrichtensenders Khabar. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte die Veranstaltung eine der größten antiamerikanischen Demonstrationen im Irak werden.

USA distanzieren sich von Chalabi
Die US-Armee distanzierte sich unterdessen von zwei Vertretern der Exil-Oppositionsallianz "Irakischer Nationalkongress" (INC) von Ahmed Chalabi, die die Verwaltung der Hauptstadt für sich beanspruchen. Die USA hätten mit der angeblichen Bestellung von Mohammed Mohsen Subeidi zum Gouverneur und Jawdat Obeidi zum Bürgermeister von Bagdad nichts zu tun, sagte ein US-Sprecher. Chalabi, der vom Pentagon unterstützt wird, war in der Nacht auf Donnerstag in Bagdad eingetroffen.

18.4.2003 08:04