Mittwoch, 16. April 2003

Syrische Regierung weist Vorwürfe der USA zurück

  • Spanischer Ministerpräsident telefoniert mit Präsident Assad
  • Iran & Golfrat versprechen Syrien Unterstützung

Das syrische Kabinett hat am Dienstag die jüngst erhobenen Vorwürfe der USA scharf zurückgewiesen. Die amtliche Nachrichtenagentur SANA berichtete, die Minister hätten "die bedrohliche Sprache und falschen Anschuldigungen verurteilt". Die Kritik an Syrien gehe von Israel aus und diene israelischen Zielen. Die US-Regierung wirft Syrien vor, Angehörige des entmachteten irakischen Regimes zu verstecken und den Terrorismus zu unterstützen sowie Massenvernichtungswaffen zu besitzen.

SANA berichtete weiter, der syrische Außenminister Faruk el Sharaa habe einen Telefonanruf von seiner spanischen Kollegin Ana Palacio erhalten. In dem Gespräch sei es um Entwicklungen im Irak und Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse gegangen. Später habe der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar den syrischen Präsidenten Baschar Assad angerufen. Assad erklärte, Syrien versuche, das Leid des irakischen Volkes zu beenden und die territoriale Integrität des Irak zu erhalten, wie SANA weiter berichtete.

Israel fordert Druck auf Syrien
Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon sagte am Dienstag, Assad sei ein gefährlicher Mann, dessen mangelnde Urteilsfähigkeit sich schon darin gezeigt habe, dass er sich auf die Seite des Irak gestellt und Mitglieder des Regimes von Saddam Hussein aufgenommen habe. Sharon forderte, die USA müssten wirtschaftlichen und politischen Druck ausüben, damit Syrien militante Palästinenser ausweise und die schiitische Hisbollah-Miliz in Südlibanon auflöse.

Iran verspricht Syrien Unterstützung
Der Iran kündigte an, Syrien bei einem etwaigen Angriff der USA "mit allen nicht-militärischen Mitteln" zu unterstützen. "Wir werden nicht neutral bleiben, wenn die USA Syrien angreifen", sagte Mohsen Resaei, ehemaliger Chef der Revolutionären Garde im Iran. Resaei, der einen einflussreichen Regierungsausschuss in Teheran leitet, begrüßte zwar den Sturz von Saddam Hussein, da er den Iran besetzt habe. "Aber Syrien ist unser strategischer Verbündeter", fügte er hinzu.

Weitere Unterstützung für Syrien kam vom Golfkooperationsrat (GCC). "Wir weisen die Drohungen gegen Syrien zurück und wir glauben, dass die Drohungen aufhören sollten", sagte der katarische Außenminister Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor el Thani nach einem Treffen des GCC in Katar.

US-Kreise: Irakischer Ex-Geheimdienstchef in Syrien
In Syrien wird nach Angaben aus US-Regierungskreisen der Ex-Chef des irakischen Auslandsgeheimdienstes vermutet, der mit einem gescheiterten Attentat auf den früheren US-Präsidenten George Bush senior in Verbindung gebracht wird. Die USA hatten jüngst der Regierung in Damaskus mit Sanktionen gedroht, weil sie Mitgliedern der Regierung des entmachteten syrischen Präsidenten Saddam Hussein Aufnahme gewähre.

Aus US-Regierungskreisen verlautete weiter, der in Syrien vermutete Faruk Hijasi sei Mitte der 90er Jahre Leiter der Auslandsaufklärung des irakischen Geheimdienstes Muchabarat gewesen, der angeblich hinter dem gescheiterten Attentat auf George Bush in Kuwait stecke. Er sei später Botschafter in der Türkei und in Tunesien gewesen. US-Außenminister Colin Powell hatte Syrien unter anderem mit wirtschaftlichen Sanktionen gedroht und von der dortigen Regierung ein Umdenken angemahnt.

16.4.2003 07:32