1. irakisches Oppositionstreffen nach Sturz Saddams
- Nächste Konferenz in zehn Tagen
- Zusammenkunft von einflussreicher Schiiten-Gruppe boykottiert
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Eine Woche nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein haben führende Oppositionsgruppen erstmals im Irak über die Zukunft ihres Landes beraten. Wie der arabische Fernsehsender Al Jazeera am Dienstag weiter berichtete, trafen sich bei Nassiriyah im Südirak rund 60 irakische Exil-Politiker, Stammesschefs und Religionsführer mit dem künftigen US-Verwalter Jay Garner sowie dem US-Sonderbeauftragen Zalmay Khalilzad. Mehr als 20.000 Menschen demonstrierten jedoch gegen das Treffen. Die nächste Konferenz soll in zehn Tagen stattfinden.
Der Vorsitzendende des Irakischen Nationalkongresses (INC), Ahmed Chalabi, der als erste Wahl des US-Verteidigungsministeriums für eine Führungsrolle im Irak gilt, entsandte ebenfalls nur einen Vertreter. Chalabi sagte dem arabischen Fernsehsender Abu Dhabi TV, es sei bei dem Treffen in Nassiriyah darum gegangen, dass die US-Vertreter ihre Vorstellung von einer Übergangsregierung darlegen könnten. Ein weiteres Treffen von irakischen Oppositionsgruppen unter Ausschluss von US-Vertretern werde in Kürze folgen. In Nassiriyah protestierten am Dienstag nach Angaben von Al Jazeera rund 20.000 Menschen gegen das Treffen.
Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe, der im iranischen Exil beheimatete Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), hatte seine Teilnahme sogar ganz abgesagt. Als Grund gab die Gruppe an, dass die USA den Nachkriegs-Irak dominieren wollten. Unabhängigkeit sei von Anfang an das Prinzip gewesen, die Konferenz diene deshalb nicht dem irakischen Volk.
Auch eine andere Schiiten-Gruppe, die "Al Dawa", entschied sich am Dienstag gegen eine Teilnahme. Schon die Tatsache, dass dieses Treffen auf einem Luftwaffenstützpunkt stattfinde und von US-Militärs organisiert werde, sei negativ, sagte der Sprecher Ibrahim al Jafari in einem Fernsehinterview. Die Muslime schiitischer Glaubensrichtung stellen sowohl im Irak als auch im Iran die Bevölkerungsmehrheit.
Nach der Konferenz riefen Teilnehmer zu einem Ende des Boykotts und zum Aufbau eines säkularen Irak auf, in dem Staat und Religion getrennt sind. Sharif Ali Bin Hussein von der "Bewegung für die konstitutionelle Monarchie" sagte Al Jazeera, man müsse mit den US-Amerikanern und Briten verhandeln. Die irakischen Gruppen hätten nur zwei Möglichkeiten: "Mit ihnen verhandeln oder sie bekämpfen." Verhandeln sei aus seiner Sicht die bessere Option.
Der britische Außenminister Jack Straw sagte in Katar, das Oppositionstreffen sei ein Zeichen dafür, dass nach Jahrzehnten der Diktatur im Irak jetzt die Politik am Zuge sei. "Die Zukunft des Irak wird auf jeden Fall besser sein als die schreckliche Vergangenheit, unter der die Iraker so lange Zeit gelitten haben."
Über den Boykott durch eine Schiitengruppe mache er sich keine Sorgen, sagte Straw: "Es ist ein Anfang." Er sei glücklich, dass es auch oppositionelle Stimmen gebe, dass diese schiitische Gruppe ihre Meinung äußern könne. "Wenn sie dies unter Saddam getan hätte, wären sie in den Folterkammern in Basra geendet oder tot."
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