Freitag, 18. April 2003

Bergung nach Beben in Türkei beendet

  • Bilanz: 167 Tote - 6.000 Zelte ins Erdbebengebiet gebracht
  • GRAFIK: Das Erdbeben im Überblick im Kasten rechts!

Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Südosttürkei sind die Bergungsarbeiten am Sonntagmorgen beendet worden. Nach offiziellen Angaben kamen in der Provinz Bingöl 167 Menschen ums Leben, darunter 83 Schulkinder. Aus den Trümmern des Schülerwohnheimes, in dem zum Zeitpunkt des Unglücks fast 200 Kinder übernachtet hatten, waren zuletzt nur noch Leichen geborgen worden. Am Sonntag früh wurde dort mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Türkei mit fast 170 Toten ist die Suche nach Überlebenden eingestellt worden. Rettungshelfer bargen am Sonntag früh den letzten toten Schüler aus dem eingestürzten Internat in Celtiksuyu, in dem 83 Kinder ums Leben kamen. 115 Schüler konnten gerettet werden.

Insgesamt fielen dem Erdbeben vom Donnerstag 167 Menschen zum Opfer, mehr als 1.000 wurden verletzt. Weitere 19 Personen wurden bei gewaltsamen Protesten gegen die unzureichende Versorgung von Erdbebenopfern verletzt.

"Die Suche nach Überlebenden ist hiermit beendet"
"Die Suche nach Überlebenden ist hiermit beendet", sagte ein Sprecher des staatlichen Krisenzentrums in der nahe gelegenen Stadt Bingöl. Zuvor hatten Rettungskräfte die Leiche des 14-jährigen Cihat Avci aus dem Schutt des Wohnheims geholt.

Baupfusch bei Internat wird untersucht
Am Samstag begannen Ermittler im Auftrag der Regierung, die Trümmer des Internats zu untersuchen, das erst 1999 für Kinder aus den umliegenden kurdischen Dörfern erbaut worden war. Dabei wurden offenbar weitaus größere Steine unter den Zement gemischt als erlaubt, wie Kemal Türkaslan vom Verband der Bauingenieure mitteilte. Zudem wurden in die tragenden Wände keine Stahlträger eingezogen. Einer der Überlebenden, der 15-jährige Hanefi Beldek, beschrieb die Schreckensnacht so: "Der gesamte dritte Stock raste plötzlich nach unten, wie ein Aufzug."

Ein Ingenieur erklärte, das Gebäude sei an der falschen Stelle errichtet worden, bautechnisch seien zudem schwerwiegende Fehler gemacht worden. "Der Beton ist extrem weich", fügte der Experte hinzu.

Provinzgouverneur Hüseyin Cos kündigte eine umfassende Untersuchung an. "Die Ermittlungen werden herausfinden, wer verantwortlich ist. Die Bauunternehmer werden früher oder später gefasst", kündigte Cos an. Auch die Arbeit der staatlichen Bauaufseher werde geprüft.

Letztes Beben mit 900 Opfer
Zuletzt war Bingöl im Südosten der Türkei 1971 von einem heftigen Erdbeben erschüttert worden, bei dem damals etwa 900 Menschen ums Leben kamen. Bei einem Erdbeben im Nordwesten der Türkei starben 1999 rund 20.000 Menschen. Auch hier waren Konstruktions- und Baumängel für die hohe Opferzahl verantwortlich gemacht worden.

18.4.2003 09:19