Dienstag, 15. April 2003

Libanesischer Premier Hariri bildet neue Regierung

  • Beirut reagiert auf Spannungen Syrien-USA

Der libanesische Staatspräsident Emile Lahoud hat den am Dienstag überraschend zurückgetretenen Ministerpräsidenten Rafik Hariri mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Hariri war am Abend mit der kommissarischen Weiterführung der Amtsgeschäfte betraut worden. Hariri, der bereits 1992-98 libanesischer Premier gewesen war, kehrte im Oktober 2000 an die Spitze der Regierung zurück. Er kann sich mit seiner überkonfessionellen Koalition auf eine breite Parlamentsmehrheit stützen.

Eine Begründung für den Rücktritt Hariris wurde nicht gegeben. Aus politischen Kreisen in Beirut war zu erfahren, dass die Bildung einer "starken" Regierung mit den jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Nachbarland Syrien zusammenhängt, das als Ordnungsmacht noch rund 20.000 Soldaten im Libanon stationiert hat. Zwischen Damaskus und Beirut besteht ein Beistandspakt. Die bisherige Regierung umfasste 30 Minister.

Die libanesische Regierung hatte den Irak-Krieg scharf verurteilt. Hariri hatte erklärt, die Amerikaner und ihre Verbündeten müssten sich im Irak auf einen "erbitterten Widerstand" einstellen. "Wie auch immer dieser Krieg ausgeht, er wird auf jeden Fall die Zahl der Verzweifelten erhöhen, die sich für radikale Positionen entscheiden", hatte der Premier bei einem Russland-Besuch betont.

Der Dollarmilliardär, Bauunternehmer, Bankier und Besitzer eines weitverzweigten Wirtschaftsimperiums Hariri hat enge Kontakte zu Saudiarabien und anderen pro-amerikanischen arabischen Regierungen. Gleichzeitig gilt er als Vertrauensmann Syriens.

15.4.2003 21:59