Unabhängigkeitsbefürworter verlieren Macht in Quebec
- Liberale gewinnen absolute Mehrheit in kanadischer Provinz

Nach neun Jahren an der Regierung haben die Unabhängigkeitsbefürworter in der frankokanadischen Provinz Quebec bei der Wahl am Montag eine herbe Niederlage erlitten. Die Liberale Partei des bisherigen Oppositionsführers Jean Charest kann Hochrechnungen des kanadischen Fernsehens zufolge mit einer absoluten Mehrheit im Provinzparlament rechnen.
Demnach kommt die rechtsliberale Gruppierung, die für einen Verbleib der französischsprachigen Provinz bei Kanada eintritt, auf 74 von 125 Sitzen. Auf die bisher regierende linksnationalistische Parti Québécois (PQ) von Regierungschef Bernard Landry entfielen 47 Sitze, auf die Demokratische Aktion Quebec vier Sitze.
Im bisherigen Parlament hatte die PQ zuletzt eine Mehrheit von 67 Sitzen, die Liberalen stellten 50 Abgeordnete. Wahlforscher hatten vor dem Urnengang einen zunehmenden Überdruss der Bürger in Hinblick auf die Unabhängigkeitsfrage ausgemacht. Die PQ hatte zwei Referenden zur Abspaltung Quebecs von Kanada abhalten lassen und jeweils knapp verloren.
Die Liberale Partei setzte in ihrem Wahlkampf vor allem auf Steuersenkungen, eine Reform des angeschlagenen Gesundheitswesens und eine Sanierung des Provinzbudgets. Ihr Spitzenkandidat Charest, ein 44 Jahre alter Anwalt, präsentierte sich den Wählern als Verkörperung des allgemein herbei gewünschten Wandels. Ihre verlässlichste Anhängerschaft haben die Liberalen bei den englischsprachigen Bewohnern Quebecs.
Der bisherige Ministerpräsident von Quebec, Bernard Landry, räumte seine Niederlage und gratulierte Charest zu seinem "beeindruckenden Sieg". Der kanadische Premierminister Jean Chretien zeigte sich während eines offiziellen Besuchs in der Dominikanischen Republik erfreut über den Sieg seiner Partei in der französisch-sprachigen Provinz. Chretien hat sich seit Beginn seiner politischen Karriere gegen die Unabhängigkeit Quebecs ausgesprochen. Die Parti Quebecois hatte dagegen gehofft, nach einem erneuten Wahlsieg bereits zum dritten Mal ein Referendum über die Loslösung der Provinz von Kanada ansetzen zu können.
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