Montag, 14. April 2003

IRA signalisiert Bereitschaft zur Entwaffnung

  • Vertrauliche Erklärung an britische und an irische Regierung

Die katholische Untergrundorganisation IRA (Irisch-Republikanische Armee) hat in einer Erklärung an die britische und die irische Regierung Bereitschaft zu einer weiteren Entwaffnung signalisiert. Die IRA erklärte, sie habe in dem vertraulichen Papier die Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit John de Chastelain dargelegt, dem Vorsitzenden der Entwaffnungskommission.

Die Regierungen in London und Dublin bestätigten am Sonntag den Eingang der Erklärung, nannten aber keine Einzelheiten.

Der neuen Stellungnahme seien mehrtägige Beratungen zwischen Mitgliedern der IRA vorangegangen, teilte die Organisation am Sonntag in einer über die Partei Sinn Fein veröffentlichten Presseerklärung mit. In dem Papier würden die derzeitigen Aktivitäten der IRA sowie ihre "künftigen Absichten" dargelegt. Ziel neuer Verhandlungen mit de Chastelain wäre die Vernichtung eines dritten IRA-Waffenlagers. Die Organisation hatte die Gespräche im Oktober vergangenen Jahres abgebrochen.

Protestantische Politiker reagierten skeptisch auf das Papier. Die gemäßigt-katholische Sozialdemokratische und Arbeiterpartei (SDLP) erklärte, die IRA müsse klar darlegen, dass sie ihre Aktivitäten in vollem Umfang einstelle. Dem Karfreitagsabkommen zufolge hätte die IRA bis Mitte 2000 ihr gesamtes Waffenarsenal vernichten sollen. Die Organisation zerstörte jedoch erst im Oktober 2001 mindestens zwei ihrer Waffenlager, weitere folgten im April vergangenen Jahres.

Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern und der britische Premierminister Tony Blair hatten am Donnerstag die Bekanntgabe einen neuen Friedensplans verschoben. Zuvor hatte die mit IRA verbündete Sinn Fein eine Stellungnahme veröffentlicht, die beide Politiker als zu vage kritisierten. Die Regierungschefs verlangten von der IRA klare Bekenntnisse zu einem dauerhaften Waffenstillstand und eine öffentliche Entwaffnung.

14.4.2003 07:18