Dienstag, 15. April 2003

Schüsse auf Polizisten: Verhafteter war nicht Täter

  • 34-jähriger Bosnier wurde wieder freigelassen
  • Ermittlungen im Umfeld des geschnappten Komplizen

Neue Entwicklung in den Ermittlungen nach den Schüssen auf zwei Wiener Polizisten: Der in der Nacht auf Mittwoch festgenommene Bosnier scheidet als Täter aus. "Es war zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir haben uns entschuldigt und ihn wieder freigelassen", berichtete am Donnerstag Dr. Ernst Geiger, Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1). Die Beamten konzentrierten sich nun auf das Umfeld des geschnappten Komplizen des flüchtigen Schützen.

Ein Angehöriger der Drogengruppe in der KD 1 war außer Dienst in der Donaustadt auf zwei mutmaßliche Einbrecher aufmerksam geworden. Zusammen mit einer herbeigerufenen Funkwagenbesatzung wollte er die Männer stellen. Für den 35-jährigen Marinko H. aus Bosnien klickten die Handschellen, sein Komplize flüchtete trotz Abgabe von Schreckschüssen. Bei einem anschließenden Gerangel schoss der Unbekannte mit der Dienstwaffe eines Polizisten dem Drogenfahnder durch den Oberschenkel und dem Uniformierten in die Hand.

Weder die Schusshandanalyse noch die Angaben des schwer verletzten Beamten deuteten auf den etwa zweieinhalb Stunden nach dem Vorfall festgenommenen 34-Jährigen als Täter hin. Somit hat auch die Spurensicherung im Auto des zunächst Verdächtigen keine Ergebnisse gebracht.

Im Zuge der Großfahndung war einem Tunesier, auf den die erste vage Personenbeschreibung passte und der sich bei einer Kontrolle aggressiv verhielt, ins Bein geschossen worden. Mittlerweile wurde die Identität des Mannes, der mit dem eigentlichen Fall nichts zu tun hat, bekannt. "Er war an keinen strafbaren Handlungen beteiligt", so Geiger. Allerdings hielt sich der 24-Jährige illegal in Österreich auf. "Deshalb wollte er wahrscheinlich davonlaufen", betonte der KD 1-Chef.

Die Einvernahmen der verletzten Beamten brauchte keine neuen Erkenntnisse. "Alles lief blitzschnell ab, plötzlich hatte der Verdächtige die Waffe des Polizisten in der Hand", fasste Geiger die Aussagen zusammen. Die Glock 17 blieb weiterhin verschwunden.

Die Kriminalisten versuchten über das Umfeld des festgenommenen Komplizen und bei weiteren Gesprächen mit dem Bosnier den Schützen auszuforschen. Der 35-Jährige gilt als "Berufseinbrecher" und hatte schon mehrmals mit den Beamten in der KD 1 zu tun.

15.4.2003 21:11