Mittwoch, 9. April 2003

Werden Roboter bald zu Familienmitgliedern?

  • Japanische Wissenschafter: Neuer bester Freund des Menschen
  • Einige Prototypen können bereits "Gefühle" zeigen

Sie heißen ASIMO, Wakamaru, Saya und SDR4-X II und sollen bald die Rolle einnehmen, die bisher dem Hund vorbehalten war: Sie sollen zum besten Freund des Menschen werden - zumindest wenn es nach den Vorstellungen ihrer japanischen Entwickler geht. Alle vier sind "Humanoiden"; Roboter, die dem menschlichen Körper nachempfunden sind und teilweise sogar auf zwei Beinen gehen können.

Auf einer Robotermesse in der japanischen Hafenstadt Yokohama sind die vier Nachkommen von C3PO, der sprechenden Blechmaschine aus "Krieg der Sterne", derzeit die Stars. Obwohl zumeist noch Protytypen, sollen sie schon bald unverzichtbarer Teil der Familie werden.

Als einziger ist Hondas ASIMO bereits im Geschäft. Der 1,20 Meter große und 52 Kilo schwere Roboter versteht etwa 100 Wörter, kann Stimmen und Gesichter erkennen und hat bereits Anstellung als Rezeptionist gefunden. Für eine Jahresgage von 20 Millionen Yen (etwa 155.000 Euro) empfängt er die Kunden in neun japanischen Unternehmen, darunter auch in einer großen Kaufhauskette.

Kosten den Preis eines Luxusautos
Seinen 58 Zentimeter großen und sieben Kilo schweren Kollegen SDR4 von Sony gibt er zurzeit nur als Prototyp. Er soll in erster Linie unterhaltsam sein. SDR4 kommt bei einem Sturz selbst wieder auf die Beine, beherrscht 1.000 verschiedene Bewegungen, schwingt seine blechernen Hüften zu zehn Liedern, benutzt mehr als 20.000 Wörter und kann mit seinem Besitzer bis zu 200 vorprogrammierte Floskeln wechseln. Verkauft wird das Modell noch nicht, dafür ist sein Preis, der dem eines Luxusautos entspricht, zu hoch. Doch sein wissenschaftlicher Ziehvater Masahiro Fujita ist zuversichtlich, die Kosten für den Heimroboter bald senken zu können.

Rund um die Uhr mit Internet verbunden
Der ferngesteuerte Butler und Sekretär "Wakamaru" wird in etwa einem Jahr auf dem Markt erwartet. Das ein Meter große, 30 Kilo schwere, kanarienvogelgelbe Ungetüm mit schwarzen Augen von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) erkennt seinen Besitzer und acht weitere Menschen und versteht mehr als 10.000 Wörter. Rund um die Uhr ist der Roboter mit dem Internet verbunden und kann seine eigenen Batterien wechseln. Er kann beim Arzt ein neues Rezept bestellen, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter überprüfen und anrufen, wenn sein Besitzer nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kommen. Vor allem aber kann er einfache Krankheiten und andere gesundheitliche Probleme erkennen.

Als potenzielle Wakamaru-Kunden kämen vor allem allein stehende ältere Menschen in Frage. Allerdings hat Wakamaru wie auch seine anderen Kollegen ein grundsätzliches Problem: Er versteht ausschließlich Phrasen - wird die Reihenfolge der Wörter vertauscht, ist er verloren.

"Ifbot" kommt bald auf den Markt
Am ausgereiftesten ist in dieser Beziehung der lediglich 45 Zentimeter große und sieben Kilo leichte "Ifbot", der unter Anleitung der Universität Nagoya entwickelt wurde. Ihm ist es sogar möglich, anhand der Stimmlage und der Wortwahl die Gefühle seines Gesprächspartners zu entschlüsseln, wie sein Ziehvater Tsunenori Kato berichtet. Zudem kann er mehr als 40 Gesichtsausdrücke annehmen, aus einem Wortschatz von zehntausenden Vokabeln schöpfen und die Unterhaltung den Gewohnheiten und der Persönlichkeit seines jeweiligen Gesprächspartners anpassen. 1.000 Exemplare des einfühlsamen Helfers sollen bereits im April auf den Markt kommen.

Roboter mit Menschen-Gesicht
Für Skeptiker, die sich nicht mit einer Maschine anfreunden mögen, hat die Wissenschaftliche Universität Tokio eigens "Saya" zur Messe mitgebracht: Einen Roboter mit weiblichen Silikongesicht. "Wir wollen dem Roboter eine Mimik verleihen, die der eines Menschen sehr nahe kommt", erklärt der Machinenbau-Professor Hiroshi Kobayashi. Saya ist mit einem Computer verbunden. Ihr Gesicht zwinkert alle fünf Sekunden und kann sechs verschiedene Gefühlslagen wiedergeben: Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Glück und Trauer. Obwohl sie mit 50 Wörtern nur über einen sehr begrenzten Sprachschatz verfügt, wird Saya möglicherweise schon in einem Jahr in der Universität als Empfangsdame eingesetzt.

9.4.2003 09:40