Per Abstimmung zum Lieblingsgrabmal
- Web-Abstimmung stößt in Deutschland auf reges Interesse
- Ab 8. April: Neuauflage mit neuen Grabsteinen
Breit, schwarz und poliert, so sehen Grabsteine auf deutschen Friedhöfen zumeist aus. "Oft handelt es sich um Massenware aus Indien oder China", so Reiner Sörries, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD) mit Sitz in Kassel. Mit einem Grabmal-Ted im Internet konnten AFD und Aeternitas, eine Verbraucherschutzinitiative für das Bestattungswesen, jetzt zeigen, dass das Standard-Angebot oft am Geschmack der Verbraucher vorbei geht.
Mehr als 16.000 Interessierte besuchten seit 2001 die digitale Grabmalausstellung im Internet. Dabei konnten sie 60 Exponate nach ihrer Schönheit bewerten. Mit der Aktion wollten die Veranstalter einen Anstoß zu mehr Mut bei der Auswahl von individuell gestalteten Grabmalen machen. Die Friedhöfe sollen so wieder interessanter werden.
Individualität der Verstorbenen
"Der erste Platz im Grabmal-Ted ist ein Pflasterstein, auf dem ein blattvergoldeter Fingerabdruck zu sehen ist", sagt Sörries. Der Pflasterstein könne beispielsweise in einen anderen Grabstein eingelassen werden und drücke die Individualität des Verstorbenen sehr gut aus.
Recyclingfähige Grabmale
Aber auch recyclingfähige Grabmale finden Zuspruch. Auf Platz zwei wurde eine Sandsteinsäule mit einer Metallplatte gewählt. Diese könne später nach der Einebnung des Grabes abgenommen und als Erinnerung behalten werden. "Denkbar ist beispielsweise auch, dass Sozialämter solche Grabmale bei der Bestattung von Bedürftigen immer wieder verwenden", sagt Sörries. Es müsse nur die Metallplatte ausgetauscht werden.
Neuauflage der Umfrage
Wegen des großen Erfolgs der Internet-Umfrage, erfährt diese ab 8. April eine Neuauflage. Dann sollen 60 weitere Grabmale zur Abstimmung stehen. Ein Link führt den Internetbesucher dabei direkt zum Hersteller, wo der Grabstein auch bestellt werden kann.
Verbote auf Friedhöfen
Das Aufstellen von Grabsteinen außerhalb der Massenware ist jedoch nicht immer einfach. "Seit den fünfziger Jahren gilt auf Friedhöfen meist die Devise, dass alle Menschen im Tod gleich sind", sagt Hermann Weber, Vorsitzender von Aeternitas. Dies habe zur Folge gehabt, dass in vielen Satzungen zahlreiche Verbote erlassen worden seien. Dabei müssen nach dem Gesetz deutsche Friedhöfe jedoch auch Bestattungsfelder bereitstellen, auf denen weniger Restriktionen herrschen, sagte Sörries.
Wandlung der Trauerkultur
"Seit etwa fünf Jahren gibt es einen verstärkten Wandel der Trauerkultur", berichtet Renate Nixdorf von Aeternitas. Der Trend gehe hin zu sehr viel mehr Farbe, Symbolen und neuen Formen. "So werden beispielsweise vermehrt Hobbys der Verstorbenen auf den Grabmalen dargestellt", sagt Nixdorf. Ein Surfbrett für einen verstorbenen Wassersportler ziere das Grabmal ebenso wie ein in Stein gemeißeltes Auto eines Sportwagenfans. Selbst einen Stein in Handy-Form gebe es auf einen Kölner Friedhof.
Oft würden solche Ideen aber nicht erlaubt. Die von Ort zu Ort unterschiedlichen Satzungen enthielten immer einen Gummiparagrafen, wonach die Würde des Friedhofs nicht gestört werden dürfe. "Ich kenne einen Fall, wo die mintgrüne Schrift auf einen dunkelblauen Stein verboten worden wurde, da diese angeblich die Trauer anderer Menschen stört", sagt Nixdorf. Grundsätzlich verboten sei es in Deutschland auch, ein Bild des Verstorbenen in das Grabmal zu integrieren.
Friedhöfe in der Krise
Denn in den vergangenen viele Friedhöfe in eine wirtschaftliche Krise geschlittert. Die Trauerstätten seien oft nur zur Hälfte belegt. "Dies liegt daran, dass die Deutschen immer länger leben", sagt der Experte für Friedhofskultur. Individuell gestaltete Grabmale könnten dagegen die Trauerkultur fördern, so dass Menschen beispielsweise auf eine Platz sparende anonyme Beerdigung verzichten.
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