Mittwoch, 9. April 2003

Aufreger Polit-Pension

  • Schüssel & Co dürfen früher & mit viel mehr Geld in die Rente
  • PLUS: Wie viel Rente Sie jetzt verlieren

Wer in den letzten Tagen den Eindruck gewonnen hat, dass „die da oben“ in der Lage waren, sich pensionsrechtlich vieles „zu richten“, der liegt – erraten – völlig richtig. Österreichs Spitzenpolitik hat sich’s nämlich gerichtet – während 2.672.000 normalsterbliche ASVG-Versicherte nach den Vorstellungen der Regierung kräftige Einbußen von durchschnittlich mindestens elf Prozent hinnehmen müssen.

Die Debatte um das Zustandekommen umstrittener Politikerpensionen fördert jetzt immer neue Stilblüten ans Tageslicht. ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer ist so ein Fall. Als 1997 endlich das längst überfällige neue Bezügegesetz für Politiker-Gagen im Parlament beschlossen wurde, wäre er knapp um ein paar Tage aus dem lukrativen „alten“ System gekippt, wie der Grün-Mandatar Karl Öllinger jetzt gerne vorrechnet. Doch siehe da: Molterer, der am 14. Mai Geburtstag hat, bekam bei der Beschlussfassung des neuen Gesetzes am 15. Mai 1997 ein echtes Geburtstagsgeschenk überreicht – das damals freilich kaum jemand registriert hat. Ein Abänderungsantrag der damaligen Regierung machte es möglich. Der entscheidende Stichtag wurde um einen einzigen Monat verschoben. Offizielle Begründung laut Protokoll: „Für die Parlamentsdirektion und andere Stellen“ sei es „schwierig“, bis zum ursprünglich geplanten Termin „alles entsprechend durchzurechnen“. Und – voilà – schon fiel Molterer ins „alte“ System. Angenehmer Nebeneffekt: Die Sparmaßnahme, dass jene Monate als Politiker, die nach dem Juli 1997 liegen, sich auf die Pensionshöhe nicht mehr auswirken, fiel für ihn weg. Er kann sich auf eine Pension von rund 10.290 Euro freuen, die ihm zustehen wird, sobald er 61,5 Jahre alt ist.
Doch Molterer wäre bei weitem nicht der Top-Politrentner:

  • ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel zum Beispiel ist schon seit dem 1. Jänner des Vorjahres pensionsanspruchsberechtigt. Sein Antrittsalter: 56,5 Jahre. Sein theoretischer Pensionsanspruch: 3.147 Euro als Abgeordnetenrente und 10.291 Euro Ministerpension. Macht insgesamt gedeckelt schlappe 12.864 Euro Politikerpension, die ihm sofort zustehen, wenn er aus der Politik ausscheidet.
  • Vizekanzler Herbert Haupt hat es da schlechter erwischt – auch wenn man sich um ihn keine Sorgen machen muss. Denn Haupt ist im „alten“ System, allerdings hatte er zum Stichtag seine Jahre noch nicht zusammen. Auch er wird 12.864 Euro Politikerpension bekommen. Allerdings kann er seine Pension erst Mitte 2008 antreten.
  • Frauenministerin Maria Rauch-Kallat dürfte das Problem tiefer Einschnitte in Frauenpensionen auch nur theoretisch nachvollziehen können. Denn: Rauch-Kallat darf schon mit 56,5 Jahren in Pension gehen, was per 1. August 2005 der Fall wäre. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie die entsprechenden Zeiten schon zusammen, was auch bei ihr zu einer gedeckelten Pension von wohlfeilen 12.864 Euro führen würde.
  • Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer hingegen könnte schon längst in Pension sein. Auch für sie galt ein Antrittsalter von 56,5 Jahren, das sie schon Ende 1998 erreicht hat. Ihr gebührt die volle Ministerpension in Höhe von 80 Prozent eines doppelten Sektionschef-Gehaltes. Macht 10.290 Euro künftige Polit-Rente.

    Auch Haider profitiert.
    Doch auch bekannte Kritiker des Systems gehören zu den künftigen Profiteuren. So wie Jörg Haider, der schon 1979 in den Nationalrat einrückte. Ihm stehen mittlerweile sowohl eine Abgeordneten- als auch eine Landeshauptmannpension nach dem alten System zu. Ob er noch ein paar Jahre abdient oder nicht, macht dabei keinen Unterschied. Er fällt sowieso unter die Höchst-Deckelung und erwirbt Anspruch auf 12.864 Euro Pension. Sein Antrittsalter: 56,5 Jahre, somit der 1. August 2006.

    Den ganzen Artikel und die Polit-Privilegien-Liste finden Sie im neuen News

    9.4.2003 17:14