Montag, 7. April 2003

IATA: SARS trifft Fluglinien mehr als Krieg

  • Liste der angeschlagenen Airlines könnte weiter wachsen
  • SARS und Krieg: Quantas streicht 1.400 Stellen! (Kasten)

Die Verbreitung der tödlichen Lungenkrankheit SARS könnte die Fluggesellschaften nach Einschätzung des internationalen Luftfahrtverbandes IATA schwerer treffen als der Irak-Krieg. "SARS wird wahrscheinlich deutlich schlimmere Auswirkungen auf die weltweite Luftfahrtindustrie haben als der Krieg im Irak", sagte Lasantha Subasinghe, ranghoher Vertreter der IATA, am Mittwoch in Tokio.

Weltweit haben Fluggesellschaften wegen der gesunkenen Nachfrage inzwischen Flüge gestrichen. Die australische Fluggesellschaft Qantas kündigte am Mittwoch den Abbau von 1000 Stellen an und begründete den Schritt auch mit den Folgen von SARS.

Nach IATA-Angaben könnte die Liste der angeschlagenen Fluggesellschaften weiter anwachsen, wenn sie nicht ihre Kosten in den Griff bekommen. Weltweit leiden Fluggesellschaften bereits unter dem Nachfragerückgang auf Grund des Irak-Krieges, der nach Angaben der Organisation ein zusätzliches Loch von zehn Milliarden Dollar in die Kassen der Airlines reißen dürfte. Durch SARS werde die schlimmste Krise der zivilen Luftfahrt noch einmal deutlich verschärft.

Bisher haben sich mehr als 2.800 Menschen in 20 Ländern mit dem SARS-Virus infiziert, vor allem weil Reisende den Virus von Asien aus in ihre Heimatländer mitbrachten.

Am Vortag hatte die deutsche Lufthansa mitgeteilt, im ersten Quartal 2003 wegen des starken Rückgangs der Passagierzahlen einen unerwartet hohen Verlust verbucht zu haben. Wegen SARS hatte die Fluggesellschaft einige Asienflüge bereits gestrichen, um die gesunkene Auslastung auszugleichen.

Vor allem große Fluggesellschaften Asiens haben ihre Flugpläne mittlerweile kräftig ausgedünnt. In Hongkong, gegen das die Weltgesundheitsorganisation neben Südchina eine Reisewarnung ausgesprochen hat, fiel am Mittwoch nach Angaben der Betreiber fast jeder dritte Flug aus.

Die australische Gesellschaft Qantas begründete den geplanten Personalabbau um drei Prozent mit dem Nachfragerückgang durch SARS. Die Buchungen für die "Känguru-Route" nach London seien um zehn Prozent zurückgegangen, Vorbestellungen nach Hongkong sogar um 25 Prozent. Qantas gehört zu 17 Prozent Europas größter Fluggesellschaft British Airways.

Die Aktienkurse von asiatischen Fluggesellschaften brachen am Mittwoch rund vier Prozent ein. "Es hat den Anschein, dass das was eingepreist wird viel schlimmer ist, als das was tatsächlich da ist", sagte ein asiatischer Luftfahrtanalyst, der nicht genannt werden wollte. "SARS trifft die Menschen, wo es am meisten schmerzt - an der Gesundheit - aber ich glaube, dass ein bisschen Überreaktion dabei ist", fügte er hinzu.

Lufthansa-Aktien notierten am Nachmittag an der Frankfurter Börse mit rund zwei Prozent im Minus bei 8,36 Euro.

7.4.2003 10:19