Montag, 7. April 2003

Barrichello hört erst nach einem Sieg im Heim-GP auf

  • Räikkönen "Zufallssieger" bei Chaos-GP in Sao Paulo
  • PLUS: Alles über das Formel-1-Wochenende in Sao Paulo!

Der 30-jährige Formel-1-Pilot Rubens Barrichello jagt weiter einem GP-Sieg in seiner Heimat nach. "Ich will meine Karriere nicht beenden, bevor ich nicht in Brasilien gewonnen habe", sagte Barrichello in einem TV-Interview. Nach seinem Ausfall am Sonntag als Spitzenreiter wegen eines Defekts (47. Runde) war der Ferrari-Pilot schwer enttäuscht - es war schon die neunte Nullnummer en suite bei seinem Heimrennen in Interlagos/Sao Paulo.

Die Formel-1-WM ist nicht wiederzuerkennen. Nach Jahren der Ferrari-Monotonie haben neue Regeln und verrücktes Wetter die Hierarchie auf den Kopf gestellt und den fünffachen Champion Michael Schumacher vorerst zum "Nobody" degradiert. Mann der Stunde ist hingegen McLaren-Pilot Kimi Räikkönen (23), der nach seinem Erfolg in Malaysia beim Regen-Chaos am Sonntag in Interlagos seinen bereits zweiten Saisonsieg in Folge feierte und die WM nach drei Läufen überlegen anführt.

Zufälliger Sieg von Räikkönen
Auch wenn Räikkönen beim "historischen" 700. GP der Formel 1 eher zufällig zum Sieg kam. Schon zur Hälfte war mehr als die Hälfte des Feldes aufgerieben und als nach vielen Unfällen 18 Runden vor Schluss das "Demolition-Derby" von Sao Paulo nach einem schweren Unfall von Mark Webber (Jaguar) endgültig abgebrochen wurde, führte zwar Giancarlo Fisichella, gewertet wurde aber der Stand von zwei Runden davor. Und in der lag der Finne in Front, weil einige seiner Konkurrenten, darunter der führende Teamkollege David Coulthard, gerade an der Box gewesen waren.

Kein schlechtes Gewissen
"Ich hatte in der Vergangenheit viel Pech, also war es durchaus Zeit, auch einmal Glück zu haben", hatte Räikkönen aber kein schlechtes Gewissen. Fisichella durfte sich im 200. GP von Jordan nur Minuten über seinen vermeintlich ersten GP-Sieg freuen, der drittplatzierte Spanier Fernando Alonso (Renault) fehlte nach einem Unfall bei der Siegeszeremonie, ist aber nach einer Nacht im Krankenhaus wohlauf und auch in der WM sensationell Dritter.

Dritter Sieg für McLaren-Mercedes
Australien-Sieger Coulthard wurde trotz langer Führung nur unbedankter Vierter, McLaren-Mercedes ist nach Siegen in allen drei bisherigen Rennen klarer Leader in der Konstrukteurs-WM.

Fünf Safety-Car-Phasen
Das konfuse Ende war der passende Höhepunkt eines chaotischen und hinter dem Pace-Car gestarteten Regen-Rennens mit vielen Unfällen sowie insgesamt fünf Safety-Car-Phasen. Offensichtlich war, dass das vieldiskutierte neue Kopfschutz-System HANS in Verbindung mit den modernen Cockpits eine Art Überlebensversicherung für die Fahrer ist. Ohne sie hätte es sicher schwerere Verletzungen bei einigen Piloten gegeben.

Schumi hat schon 18 Punkte Rückstand
Bedenkliche Formen nimmt hingegen die Negativserie für Michael Schumacher an. Vierter in Melbourne, Sechster in Sepang, in Brasilien dritter Fehler in Folge und spektakulärer Abflug in Runde 27. Schlechter ist es zuletzt 2000 für den Deutschen gelaufen, als er fünf Grand Prix lang ohne Sieg blieb. In der WM liegt er mit 18 Punkten Rückstand nur auf Platz acht.

In Europa mit dem neuen Auto
"Mich bedrückt vor allem, dass mein Zuverlässigkeitsrekord dahin ist", meinte der Ferrari-Star bedrückt. Trotzdem gab er sich entspannt. "Der Abstand zu Kimi ist nicht so groß, um sich echte Sorgen zu machen." In zwei Wochen beim Europa-Auftakt in Imola kann er zudem erstmals den neuen F2003-GA fahren.

Viel Pech für Barrichello
Todtraurig war hingegen sein Teamkollege Rubens Barrichello, der nach Start aus der Pole hinter dem Safety Car als Führender mit Defekt ausfiel. Statt des ersten Sieges beim Heim-GP musste der Brasilianer den neunten Ausfall in Folge hin nehmen.

"König des Crashrennens"
Der Strahlemann schlechthin war natürlich Räikkönen. "Kimi ist der Mann der Stunde", lobte Mercedes-Sportchef Norbert Haug und "La Stampa" schrieb: "Räikkönen ist der König des Crashrennens. Das war Formel 1 des Wahnsinns in Brasilien." Ausgerechnet Jacques Villeneuve gab sich nach dem GP als Kritiker. "Es waren nicht nur die Bedingungen allein. Es liegt an den Piloten, aber einige sind da draußen ziemlich verrückt gefahren."

Montezemolo spornt Ferrari an
Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo hat mit Mut-Parolen auf die Nullnummer seines Rennstalls beim GP in Brasilien reagiert. "Wir wussten, dass dies ein schwieriges Jahr wird. Wenn wir mit Demut und großem Engagement arbeiten, gibt es die Möglichkeit, wieder aufzuholen. Das Rennen war ein Roulette, man darf daher nicht pessimistisch sein. In Brasilien waren unsere Autos sehr wettbewerbsfähig", sagte Montezemolo im Gespräch mit Journalisten in Maranello.

Lob von höchster Stelle
"Wir erleben keine außerordentlich positive Phase. Das Rennen von gestern war eine echte Lotterie. Die beiden Ferraris waren aber deutlich die schnellsten Autos auf der Piste. Bis zu seinem Ausfall ist Schumacher ein sehr gutes Rennen gefahren", so Montezemolo.

Wegen Schumi nicht besorgt
Seiner Ansicht nach müsse Ferrari mit Optimismus in die Zukunft blicken, zugleich aber die Ursachen der Niederlagen in den ersten drei Rennen analysieren. "Wir müssen ernsthaft und tiefgründig die Aspekte überprüfen, die verbessert werden können", so Montezemolo. Auf die Frage, ob er über Schumachers Leistungen besorgt sei, antwortete der Ferrari-Boss: "Nein, absolut nicht".

7.4.2003 14:54
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts