Sonntag, 13. April 2003

Nach Krieg: Basra wartet auf humanitäre Hilfe

  • Nicht genug Sauerstoff für Frühgeburten
  • Wasser ist weiter die größte Sorge

Zusammengerollt in einem Brutkasten liegt der kleine Ali und ringt nach Luft. Seine winzige Brust hebt und senkt sich in schneller Folge. "Er braucht Sauerstoff", seufzt der Arzt Mohammed Chaffatt von der Entbindungs- und Kinderklinik in Basra. Am Samstag brachten britische Truppen 20 Sauerstoff-Zylinder und zwei Tankwagen mit Wasser. Der Mediziner ist voller Dank, denkt aber schon an die Zukunft: "Wir könnten zehn Mal so viel gebrauchen."

Nur langsam tröpfelt die humanitäre Hilfe in die zweitgrößte irakische Stadt - Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Versorgungsmittel. Die rund dreiwöchige Belagerung hat einen großen Teil der 1,3 Millionen Einwohner an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Der Bedarf an Hilfe hat die Möglichkeiten der alliierten Truppen in Basra schnell überfordert.

Internationale Hilfsorganisationen aber warten noch auf Garantien für einen ungehinderten Einsatz in Basra. "Wir können nicht unsere Arbeit tun, ehe wir nicht wissen, dass wir sicher sind", erklärt Antonia Paradela vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP).

Eine UN-Delegation hat in den vergangenen Tagen mehrere Regionen im Süden des Irak besichtigt und erklärt, dass humanitäre Hilfe nach Umm Kasr und Subayr gebracht werden könne. Für Basra aber hat sie noch kein grünes Licht gegeben.

Eine Woche nach dem Einzug britischer Truppen ins Stadtzentrum hat sich die Situation nach den ersten schweren Plünderungen schon ein wenig verbessert. Wenn die britischen Panzer durch die Straßen patrouillieren, sind die Viertel von Basra relativ ruhig. Am Samstag kündigten die Briten gemeinsame Polizeikontrollen mit Irakern an.

"Wenn die Leute befreit werden sollen, darf man sie nicht weiter der Gnade von Dieben und Plünderern ausliefern", sagt der Kinderarzt Chaffatt. Mit Grauen erinnert er sich an eine der jüngsten Nächte, als eine kleine Gruppe von Männern gewaltsam in seine Klinik eindringen wollte. Die Ärzte und Pfleger holten ihre eigenen Waffen heraus und gaben Warnschüsse ab. Nach kurzer Zeit verschwanden die Plünderer wieder.

Britische Offiziere haben eine erste Bestandsaufnahme zum Bedarf der elf Krankenhäuser in Basra erstellt. Fünf Militärkrankenhäuser wurden ausgeplündert, die zivilen Kliniken blieben aber zum größten Teil unversehrt. Auf dem Dach des Zentralkrankenhauses haben Scharfschützen Stellung bezogen, vor anderen Kliniken stehen Schützenpanzer.

Trinkwasser ist nach wie vor die größte Sorge in Basra. Weil das Kraftwerk erst im Krieg, dann bei Plünderungen zerstört wurde, gibt es nicht genügend Strom für das Wasserwerk. So ziehen die 20.000 Liter fassenden Tankfahrzeuge der Briten stets große Menschenmengen auf sich. In der Nachmittagshitze gehen vielen Einwohner zum Ufer des Schatt el Arab, waschen sich, schwimmen - und einige trinken auch aus dem schmutzigen Fluss. Ärzte sorgen sich, dass deswegen Cholera und andere Infektionskrankheiten ausbrechen könnten. "Wir haben schon viele Fälle von Diarrhöe und andere Symptome von Cholera", sagt der Arzt Nadim Rahim vom Allgemeinen Krankenhaus in Basra. "Aber wir haben keine Möglichkeiten, um das zu testen."

In der 300-Betten-Kinderklinik herrschte schon immer Mangel. Aber der Krieg hat alles noch schlimmer gemacht. Es fehlt an Infusionsgeräten, Antibiotika und Salzlösung. Traurig geht der Kinderarzt Chaffatt an den Brutkästen mit den Frühgeborenen vorbei, die während der Luftangriffe auf Basra zur Welt kamen. "Es ist schwer für mich, ihr Leiden zu sehen und nicht helfen zu können."

13.4.2003 10:28