Freitag, 11. April 2003

Wiederaufbau im Irak nicht nur mit Öl zu bezahlen

  • Bis zu 100 Milliarden Dollar werden benötigt
  • DIE BILDER: Krieg im Irak scheint praktisch beendet zu sein!

100 Milliarden Dollar! So viel wird laut Experten der Wiederaufbau des vom Krieg und Jahrzehnten der Misswirtschaft geschundenen Irak kosten. Dies wird allerdings nicht ausschließlich aus den irakischen Ölexporten zu begleichen sein ...

Der Wiederaufbau des Irak nach dem Krieg wird nach Einschätzung von Experten die teuerste Hilfsaktion seit dem Marshall-Plan für Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Europa und den USA zu seiner Finanzierung lösen bei Experten allerdings Zweifel aus, ob das Geld dafür überhaupt zusammenkommt. Klar ist nach ihrer Einschätzung, dass der Wiederaufbau des Landes mit den zweitgrößten Ölreserven der Welt nicht allein durch den Verkauf des wertvollen Rohstoffs finanziert werden kann. Der Irak ist hoch verschuldet und die Infrastruktur seiner Ölindustrie weitgehend desolat.

100 Milliarden Dollar benötigt!
Analysten zufolge können die Kosten für den Wiederaufbau des Landes einen Betrag von rund 100 Mrd. Dollar (93,4 Mrd. Euro) erreichen. Das ist so viel, wie in den 90er-Jahren insgesamt im Anschluss an Konflikte in 36 Staaten bezahlt wurde. Den Hauptteil dieser Kosten werden nach Einschätzung von Experten die USA tragen. Mitarbeiter des Finanzministeriums hätten aber bisher noch keine Angaben zu einer möglichen Finanzierung gemacht, hieß es. Man diskutiere derzeit noch über mögliche Lösungen.

Selbst nachdem sich die Befürchtungen, dass der Irak im Zuge des Krieges seine Ölinfrastruktur zerstören würde, nicht bewahrheitet hatten, werde der Wiederaufbau nicht allein mit Öl finanziert werden können, sagten die Experten weiter. Dazu sei das Land bereits vor dem Krieg zu stark geschwächt und auch zu hoch verschuldet gewesen. Außerdem habe die irakische Ölförderung unter jahrzehntelangem Missmanagement ebenso gelitten wie unter den Sanktionen der Vereinten Nationen (UNO) in den vergangenen Jahren.

Ölexporte können Grundbedürfnisse nicht decken
Auch wenn in einem positiven Szenario von Ölexporten im Wert von zehn bis zwölf Mrd. Dollar pro Jahr auszugehen sei, wäre dies nicht genug Geld, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicher zu stellen und die Schuldenlast abzubauen. Analysten der American Academy of Arts and Sciences haben errechnet, dass allein die Schuldenzahlungen des Irak in den ersten fünf Jahren nach dem Krieg 1,6 Mrd. Dollar jährlich betragen werden. Dieser Betrag werde sich später auf jährlich 4,8 Mrd. Euro steigern. Die Reparatur bestehender Ölfördereinrichtungen werde fünf Mrd. Dollar kosten, der Versuch, die Elektrizitätsversorgung wieder auf den Stand von vor 1990 zu bringen, 20 Mrd. Dollar.

Golf-Staaten könnten sich beteiligen
Neben Kapital aus den USA, Europa und Asien könnten sich auch die umliegenden Golf-Staaten am Wiederaufbau beteiligen. Investitionen im Irak könnten unter anderem aus strategischen und politischen Gründen erfolgen. "Wenn es einen akzeptablen Regierungswechsel in Bagdad gibt, wird das an Bedeutung gewinnen", sagte ein Banker in Bahrain. Ein stabiler Irak sei wichtig für die Nachbarstaaten. "Außerdem fühlen sie sich schuldig an dem, was dem irakischen Volk geschieht", sagte der Banker.

11.4.2003 11:41