Donnerstag, 10. April 2003

Zwei islamische Geistliche in Najaf ermordet

  • Aus Exil zurückgekehrter Saddam-Anhänger erschlagen

Einwohner der mittelirakischen Stadt Najaf haben Augenzeugen zufolge am Donnerstag zwei Geistliche umgebracht, von denen einer das Regime von Saddam Hussein unterstützte. "Die Menge hat sie in der Moschee angegriffen und getötet", sagte der Mullah Ali Assayid Haider aus Basra, der zu einem Treffen islamischer Geistlicher nach Najaf gekommen war.

Die Bluttat ereignete sich den Angaben zufolge in der Ali-Moschee, einem der bedeutendsten Heiligtümer der Schiiten. Die Moschee unterstand bisher der Leitung von Haider el Kadar, der dem irakischen Religionsministerium angehörte. In einer Geste der Versöhnung wurde el Kadar von dem aus dem Exil zurückgekehrten schiitischen Geistlichen Abdul Majid el Khoei zu dem Treffen begleitet. Als die beiden in der Moschee erschienen, wurden sie von Regimegegnern beschimpft.

El Khoei, der erst am 3. April aus dem Exil in London zurückgekehrt war, gab den Augenzeugen zufolge Warnschüsse ab. Daraufhin wurden beide Männer von einer Menschenmenge überfallen und mit Dolchen ermordet. "El Kadar war ein Tier", sagte der Augenzeuge Adil Adnan el Mussawi. "Die Leute riefen ihm zu, dass sie ihn hassten und dass er nicht hier sein sollte."

El Khoei war ein enger Mitarbeiter des Groß-Ayatollah Ali el Sistani, der die Iraker in der vergangenen Woche aufgerufen hatte, sich der amerikanisch-britischen Invasion nicht in den Weg zu stellen. Er war der Sohn des Ayatollahs Khoi, eines der wichtigsten Schiiten-Führer im Irak, der 1992 im Hausarrest starb. Der Ermordete stand in London einer Wohltätigkeitsstiftung vor. Es wird befürchtet, dass das Attentat die Spannungen innerhalb der schiitischen Bevölkerung des Irak verstärkt.

Präsident Saddam Hussein und die Machteliten sind zumeist Sunniten. Die USA und Großbritannien haben bei ihrem Militärschlag gegen die Regierung unter Saddam auf die Zusammenarbeit mit den Schiiten gesetzt, die die Mehrheit im Irak bilden, von Saddam aber unterdrückt wurden.

Najaf ist eine der heiligen Stätten des schiitischen Islam, der zweiten großen Strömung innerhalb der Religion neben der Gruppe der Sunniten. In der etwa 150 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt liegt das Grab des ermordeten Kalifen Ali, dem Cousin und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, der als Begründer der schiitischen Glaubensrichtung verehrt wird.

10.4.2003 18:11