Dienstag, 8. April 2003

Journalisten-Hotel bei Kämpfen von Granate getroffen

  • Zwei Tote in Hotel, zuvor Al Jazeera-Reporter erschossen
  • BILDER: Kampf in Bagdad, Saddam zeigt sich dem Volk, ...

Die Journalisten geraten zunehmend in die Schusslinie der kämpfenden Truppen. Das Hotel Palestine, in dem die meisten der westlichen Journalisten in Bagdad untergebracht sind, ist am Dienstagmorgen von einem US-Panzer angegriffen worden. Zwei Kameramänner starben nach dem Beschuss, drei weitere Menschen sind zum Teil schwer verletzt worden. Zuvor war ein Reporter von Al Jazeera bei einem Raketenangriff ebenfalls in Bagdad getötet worden. Eine Journalistengruppe in Bagdad setzte daher nun einen dramatischen Hilferuf ab!

Bei Angriffen der US-geführten Truppen in Bagdad sind am heutigen Dienstag mindestens drei Journalisten ums Leben gekommen. Der ukrainische Kameramann Taras Protsyuk (35) von der Nachrichtenagentur Reuters und der spanische Kameramann Jose Couso (37) des Senders Tele 5 wurden getötet, als ein US-Panzer am Vormittag auf das vor allem von Journalisten bewohnte Hotel Palestine im Zentrum der Hauptstadt feuerte. Mindestens drei weitere Journalisten wurden verletzt. Ein Korrespondent des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera starb kurz zuvor, als eine Rakete sein Büro traf. Sein Kameramann wurde verletzt. Der österreichische NEWS-Reporter Thomas Seifert, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs ebenfalls im Hotel Palestine aufhielt, ist wohlauf.

US-Kommandant Buford Blount von der 3. US-Infanteriedivision rechtfertigte den Angriff auf das Hotel mit den Worten, ein US-Panzer sei von dort aus mit Raketen und Schusswaffen angegriffen worden und habe daher das Feuer "mit einer einzigen Salve" beantwortet. Ein Kameramann des französischen Senders France 3 filmte den Vorfall. Deutlich war auf seinem Film zu sehen, wie der Panzer auf das Hotel feuerte.

Reuters-Chefredakteur Geert Linnebank stellte das Urteilsvermögen der US-Soldaten in Frage. Es sei allgemein bekannt, dass das Hotel Palestine "Hauptquartier fast aller ausländischen Journalisten in Bagdad" sei. Protsyuks Tod und die Verletzungen seiner Kollegen seien "so unnötig". Protsyuks hatte seit 1993 für Reuters gearbeitet und hatte bereits über die Konflikte in Bosnien, Tschetschenien und im Kosovo berichtet. Insgesamt hat Reuters 18 Journalisten in Bagdad stationiert.

Al-Jazeera-Reporter getötet
Der Al-Jazeera-Korrespondent Tarek Ajub kam beriets am Vormittag ums Leben, als eine Rakete in das Gebäude des Senders in der Nähe des Planungsministeriums einschlug. Der 34-jährige Jordanier hatte erst seit wenigen Tagen begonnen aus Bagdad zu berichten. Woher die Rakete kam, blieb zunächst unklar. Al Jazeera warf den USA vor, das Büro gezielt beschossen zu haben. Eine Sprecherin des US-Zentralkommandos wies dies zurück und betonte, die alliierten Angriffe zielten lediglich auf militärische Einrichtungen.

NEWS-Reporter Seifert berichtet vom Schauplatz
Der NEWS-Reporter Thomas Seifert, der sich zum Zeitpunkt des Beschusses des Hotels Palestine im ersten Stock des Gebäudes aufhielt, überlebte den Angriff ohne Verletzungen. Seiferts Bericht finden Sie im Kasten rechts!

Journalisten-Hilferuf aus Bagdad
Eine Gruppe von 25 Journalisten und Technikern hat angesichts des anhaltenden Beschusses einen dramatischen Notruf aus Bagdad abgesetzt. "Wir sind in einem Kampfgebiet eingeschlossen", meldete der Korrespondent des arabischen Fernsehsenders Abu Dhabi TV, Shaker Hamed, am Dienstag aus der irakischen Hauptstadt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz müsse dringend für die Evakuierung der Gruppe aus dem Korrespondentenbüro des Senders sorgen.

8.4.2003 08:53