Samstag, 12. April 2003

Algerien-Vermisste: Info, dass sie am 8. April lebten

  • Laut "Spiegel": Deutsche Regierung geht von Terror aus
  • Zehn Österreicher unter den 31 vermissten Europäern

Für die Angehörigen und Freunde jener zehn in Algerien vermissten Österreicher gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Außenministerin Benita Ferrero-Waldner berichtete am Samstag nach ihrer Rückkehr aus Algier in Salzburg von Gesprächen mit ihrem Amtskollegen sowie dem algerischen Innenminister. Dabei habe sie Informationen erhalten, dass es eine Nachricht gebe, die belege, dass die Vermissten am 8. April noch am Leben waren. Genaueres konnte Ferrero-Waldner nicht sagen. Die Außenministerin warnte vor Euphorie, sprach aber von einem "Anlass zur Hoffnung".

Ferrero-Waldner ist in den Stunden zuvor mit dem algerischen Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika, mit dem Innen- sowie dem Außenminister zusammengetroffen. "Die algerischen Behörden suchen alles zu unternehmen, um das Leben der Vermissten zu schützen", berichtete Ferrero-Waldner.

Sie habe bei ihren Gesprächen erreicht, dass es engste Kooperation bei der Suche nach den Verschwundenen gebe. Man habe ihr zugesichert, dass es volle Transparenz gebe und die Österreicher über alle Maßnahmen informiert werden.

Entführung nicht ausgeschlossen
Angesprochen auf die Frage, ob sie von einer Entführung ausgehe, sagte die Ministerin: "Ich kann nichts ausschließen." Dass es eine Nachricht vom 8. April gebe, sei ein Anlass zur Hoffnung. Die algerischen Behörden sprächen von Vermissten und seien sehr bemüht, mit den Behörden der betroffenen Länder zu kooperieren. "Wir müssen Geduld haben, präzise vorgehen und mit den algerischen Behörden eng zusammenarbeiten", sagte Ferrero-Waldner.

Deutschland: Terror-Hintergrund befürchtet
Die deutsche Regierung befürchtet nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im Fall der in Algerien vermissten Touristen einen terroristischen Hintergrund. Die algerischen Behörden hätten der Bundesregierung inzwischen mitgeteilt, dass nach ihrer Überzeugung islamistische Terroristen hinter der Tat steckten, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe.

Der Generalbundesanwalt Kay Nehm habe bereits ein Ermittlungsverfahren gegen eine unbekannte ausländische terroristische Vereinigung eingeleitet, hieß es weiter. Es werde aber auch weiterhin nicht ausgeschlossen, dass kriminelle Entführer Lösegeld erbeuten wollten.

Insgesamt werden derzeit 31 ausländische Touristen in der algerischen Sahara vermisst. Unter ihnen befinden sich auch zehn Österreicher, davon acht Salzburger und zwei Tiroler, sowie 15 Deutsche, vier Schweizer, ein Niederländer und ein Schwede. Einige werden bereits seit dem 21. Februar vermisst.

Suche nach Vermissten wurde verstärkt
Die Algerier hätten die Suche nach den vermissten Touristen intensiviert. Das erklärte der Leiter der Sondermission des österreichischen Außenministeriums in Algerien, Thomas Buchsbaum. Die Behörden hätten über eine Nachrichtenagentur mitgeteilt, dass sie zusätzliche Nachtflüge mit Hubschraubern und Kameras durchführen. Trotzdem gibt es weiter keine Hinweise auf den Verbleib der zehn verschwundenen Österreicher.

Zu den Meldungen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", dass die algerischen Behörden der deutschen Bundesregierung mitgeteilt hätten, dass sie einen Terror-Hintergrund vermuten, sagte Buchsbaum: Davon wisse er nichts. Er habe keine derartigen Mitteilungen erhalten.

Unterdessen haben die Angehörigen der acht vermissten Salzburger und jene der zwei vermissten Tiroler miteinander Kontakt aufgenommen. "Die Tiroler kommen heute bei uns vorbei", erklärte Monika Bleckmann im Gespräch mit der APA. Ihr Mann und ihr Sohn hatten sich an der Wüstenfahrt der Salzburger in Algerien beteiligt. Gemeinsam mit den Tiroler Angehörigen werde man den Wissensstand abgleichen und die weitere Vorgangsweise besprechen.

12.4.2003 11:17