Freitag, 11. April 2003

Bus-Entführung: Mutmaßlicher Komplize wieder frei

  • Haftbefehl für Täter erwartet
  • GEISEL-DRAMA: Die BILDER der BUS-STÜRMUNG (Kasten)

Nach der Geiselnahme in einem Doppeldeckerbus in Berlin wird für heute der Haftbefehl gegen den 46 Jahre alten Täter erwartet. "Er wird im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden", sagte ein Polizeisprecher. Der Entführer, der bereits mehrfach im Gefängnis saß, hatte den Bus am Freitagvormittag nach einem Überfall auf eine Bankfiliale in Berlin-Steglitz gekapert. Während einer Irrfahrt durch die Stadt hatte er bis auf zwei Geiseln alle freigelassen.

Ein 49-jähriger Mann, der als mutmaßlicher Komplize des Bankräubers und Geiselnehmers festgenommen worden war, wurde in der Nacht zum Samstag wieder freigelassen. Wie die Polizei mitteilte, hat sich der Verdacht gegen den Mann im Verlaufe der Vernehmung nicht erhärtet.

Spitzname: "Skorpion"
Der Geiselnehmer hat auf dem linken Unterarm einen Skorpion tätowiert, auf dem rechten einen Leopardenkopf. In der kriminellen Szene wird er "Skorpion" genannt. Er soll auch Kontakt zu den Geiselnehmern von Gladbeck gehabt haben, die 1988 in der Ruhrgebietsstadt eine Bank überfielen und später in Bremen einen Bus mit mehr als 30 Menschen in ihre Gewalt brachten. Im Laufe des Dramas verloren zwei Geiseln ihr Leben. Die Gangster wurden damals gefasst.

Nach Darstellung der Berliner Polizei wollte der Geiselnehmer zu keinem Zeitpunkt aufgeben. Die Polizei nannte den bereits wegen Bankraubes Verurteilten einen "geübten Täter", der behauptete, eine Scharfschützenausbildung zu haben. Sein Vorstrafenregister sei lang. Laut Staatsanwalt Bernd Wolke hat er unter anderem Haftstrafen von zwei Mal sechseinhalb Jahren verbüßt. Im Juni 2000 kam er in Berlin zuletzt frei. Nun erwartet ihn eine erneute Haftstrafe nicht unter fünf Jahren.

11.4.2003 10:37