Mittwoch, 9. April 2003

SARS-verursachendes Virus entdeckt!

  • China vertuscht Ausmaß von SARS-Ausbreitung
  • INFO: Was ist SARS? PLUS: Info-Hotline in Österreich (Kasten)

Wissenschaftler in den USA und Deutschland haben nach eigenen Angaben das Virus identifiziert, das die lebensgefährliche Lungenkrankheit "Schweres Akutes Atemwegssyndrom" (SARS) hervorruft. Es handle sich um ein neue Variante des Coronavirus, das zur Gruppe jener Viren gehöre, die normale Erkältungskrankheiten verursachten, berichteten zwei Forscherteams in Beiträgen für das "New England Journal of Medicine", die am Donnerstag vorab veröffentlicht wurden. Das Virus sei unter Menschen bisher offenbar noch nicht oder kaum aufgetreten, schrieben die Forscher.

Die Entdeckung ermöglicht es Ärzten, sich nun auf die Entwicklung eines einfachen Testverfahrens zu konzentrieren, mit dem festgestellt werden kann, ob ein Patient an SARS erkrankt ist. Die US-Gesundheitsbehörden haben bereits drei solcher Tests entwickelt, die sich jedoch nach ihren Angaben nicht für den Alltagsgebrauch eignen. In einer der beiden Studien untersuchten US-Wissenschaftler der US-Behörde für Seuchenkontrolle (CDC) SARS-Patienten in sechs Ländern. "Neunzehn Patienten mit SARS waren mit dem neuen Coronavirus infiziert. Alle haben direkte oder indirekte Verbindungen zu dem Ausbruch von SARS in Hongkong und der Provinz Guangdong in China", heißt es in dem Bericht.

China vertuscht SARS-Ausmaß
Die chinesische Regierung vertuscht offenbar das Ausmaß der Lungenseuche SARS. In Peking gebe es deutlich mehr Opfer und Krankheitsfälle, als öffentlich bekannt gegeben worden sei, sagte der pensionierte Chefchirurg eines Militärkrankenhauses am Mittwoch. Er wisse von sieben nicht gemeldeten Todesfällen. Ein Pekinger Krankenhaus wurde geschlossen, nach dem sich 15 Mitarbeiter infizierten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums würden Experten aus ganz China in Peking über Maßnahmen gegen das Schwere Akute Atemwegsyndrom (SARS) beraten. Dessen ungeachtet berichteten staatliche Medien weiterhin, die Epidemie sei unter Kontrolle. Hongkong meldete am Mittwoch zwei neue Todesfälle, in den USA steckte sich erstmals ein Krankenpfleger mit SARS an. Man sei nahezu sicher, das der Pfleger, der einen SARS-Patienten behandelte, an der Seuche erkrankt sei, sagte eine Mitarbeiterin des Zentrums für Seuchenkontrolle in Berkeley.

Sechster Verdachtsfall in Österreich
In Österreich war am Mittwoch der bisher sechste Verdachtsfall bekannt geworden, der sich aber bald als unbegründet erwiesen hat. Die Patientin, eine 25-jährige Stewardess aus Niederösterreich, war am Dienstag ins Krankenhaus Neunkirchen eingeliefert worden. Virologische Untersuchungen haben ergeben, dass die Frau Grippe hat. In Frankreich bestätigte sich am Mittwoch ein Verdachtsfall, damit stieg die Zahl der SARS-Kranken dort auf drei. Der SARS-Verdacht bei einer am Montag in die Uniklinik Aachen eingelieferten Frau bestätigte sich dagegen nicht, wie das Gesundheitsamt am Mittwoch mitteilte.

Die Behörden in Peking bestätigten fünf SARS-Opfer und 19 Krankheitsfälle. Tatsächlich seien es mindestens elf Tote und 106 Infizierte, sagte Jiang Yanyong unter Berufung auf Mitarbeiter der Pekinger Krankenhäuser. Ein weiteres Krankenhaus wurde nach Angaben einer Rezeptionistin geschlossen, nachdem mehrere Mitarbeiter erkrankten. Ein Schild am Eingang der Klinik untersagte jeglichen Zutritt. Männer und Frauen in grünen Armee-Hosen und mit Atemschutzmasken standen vor dem Gebäude. Ein Reporter, der die Szenerie filmte, wurde vorübergehend festgenommen und musste seinen Film zerstören.

Drastische Maßnahmen
Die Nachbarländer ergriffen drastische Maßnahmen gegen die Seuche: Malaysia verhängte ein Einreiseverbot für chinesische Staatsbürger. In Singapur dürfen katholische Priester keine Beichte mehr abnehmen, damit sie sich nicht anstecken. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurde ein erster Verdachtsfall in Kasachstan bekannt. Rasant breitet sich die Seuche in Hongkong aus. Neben zwei weiteren Todesfällen meldete die Gesundheitsbehörde 42 Neuerkrankungen. Unter den Betroffenen seien 15 Krankenhausmitarbeiter und fünf Bewohner des Wohnkomplexes Amoy Gardens, in dem fast 300 Krankheitsfälle auftraten. Experten vermuten, dass die schnelle Ausbreitung auf ein undichtes Abflussrohr oder eine Übertragung durch Kakerlaken zurückzuführen sein könnte.

9.4.2003 10:19