SARS forderte weltweit schon 100 Todesopfer
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Die Zahl der SARS-Toten hat am Montag weltweit die Marke 100 erreicht. Als Reaktion auf die weltweite Verbreitung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit schlägt die EU-Kommission die Einrichtung einer zentralen Behörde zur Koordinierung der EU-weiten Schutzmaßnahmen gegen ansteckende Krankheiten vor.
Bis Mittag wurden neue Todesfälle in China, seiner Sonderzone Hongkong sowie in Singapur und Kanada bekannt. Zugleich räumte die Regierung in Peking ein, dass sich die SARS-Opfer über mehr Provinzen verteilten als bisher berichtet. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bemühten sich in der südchinesischen Provinz Guangdong (Kanton) weiterhin um eine Isolierung des SARS-Virus, das möglicherweise von Tieren stammen könnte.
Als Reaktion auf die weltweite Verbreitung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit schlug die EU-Kommission in Brüssel die Einrichtung einer zentralen Behörde zur Koordinierung der EU-weiten Schutzmaßnahmen gegen ansteckende Krankheiten vor. Noch vor der Sommerpause wolle die Kommission entsprechende Vorschläge ausarbeiten, kündigte eine Sprecherin am Montag in Brüssel an.
Lage in Europa relativ stabil
Die Zahl der wahrscheinlichen SARS-Erkrankungen in der Europäischen Union ist derzeit angeblich weitgehend stabil. Der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar David Byrne sagte am Montag in Brüssel, Ärzte hätten bei 19 Patienten den dringenden Verdacht auf eine Infektion mit der gefährlichen Lungenentzündung, zwei mehr als in der Vorwoche. In 27 Fällen seien sich die Mediziner nicht sicher, ob es sich um SARS handelt. Todesfall wurde bisher keiner registriert. Ein neuer Verdachtsfall wurde aus Portugal gemeldet.
China: Mehr Provinzen betroffen
Das staatliche chinesische Fernsehen meldete am Montag unter Berufung auf das Pekinger Gesundheitsministerium den 53. Todesfall. Nach Provinzen aufgeschlüsselt seien 43 Menschen in Guangdong an SARS gestorben. Die zehn weiteren Todesfälle hätten sich unter anderem in Shanxi im Norden, Sichuan im Westen und Hunan in der Mitte des Landes ereignet. Diese Provinzen waren zuvor noch nicht genannt worden.
Am Sonntag war der Tod eines finnischen Mitarbeiters bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Peking gemeldet worden. Deren Büros blieben vorerst geschlossen, auch die im selben Gebäude untergebrachte neuseeländische Botschaft öffnete nicht.
Infektionsherd Hongkong
In der chinesischen Sonderzone Hongkong, wo schon mehr als 880 Menschen erkrankt sind, gab es in der Nacht auf Montag ein 23. Todesopfer. Den Behörden zufolge handelte es sich um eine 78-jährige Frau. Weiter wurde bekannt, dass sich ein Arzt bei einem Patienten angesteckt haben könnte, der seine Adresse "Amoy Gardens" verschwiegen habe. Bewohner dieses schwer betroffenen Wohnblocks waren in der vergangenen Woche zur Quarantäne in isolierte Ferienlager evakuiert worden.
Singapur meldete am Montag zwei weitere SARS-Todesfälle. Damit stieg die Opferzahl in dem Stadtstaat auf acht. Ministerpräsident Goh Chok Tong sagte eine Reise nach China ab.
Die Gesundheitsbehörden in Toronto teilten mit, das neunte SARS-Opfer in Kanada sei bereits am 1. April verstorben. Man sei zunächst aber von einer anderen Todesursache ausgegangen. In Kanada sind bisher die meisten SARS-Fälle außerhalb Asiens aufgetreten. Mehr als 200 Menschen dürften sich mit der Seuche infiziert haben, die vermutlich von einer Kanadierin aus Hongkong eingeschleppt wurde.
EU will Seuchenzentrum
Zwar reichten im Fall des Schweren Akuten Atemwegssyndroms derzeit die bisherigen Vorschriften aus, da die Zahl der SARS-Verdachtsfälle stabil bleibe. Sollten sich ansteckende Krankheiten aber zu regelrechten Epidemien entwickeln, genüge das Regelwerk nicht, ebenso wenig wie bei Fällen von Bioterrorismus, sagte die Sprecherin.
Anders als bei ansteckenden Tierkrankheiten wie Maul- und Klauenseuche (MKS) oder Geflügelpest habe die EU-Kommission wegen des freien Reiseverkehrs innerhalb der EU keine Handhabe, die Reisefreiheit von Menschen einzuschränken. Schon für den Fall, dass die nationalen Behörden unterschiedliche Reiseempfehlungen abgeben, könne dies zu Problemen für die Krankheitsprävention in den Mitgliedstaaten führen.
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