Freitag, 11. April 2003

Erfolgreiche Hochhaus-Sprengung in Oberösterreich

  • Nach wenigen Sekunden nur noch zwei Schutthaufen vorhanden

Um Punkt 14.43 Uhr war es so weit: 450 Kilogramm Sprengstoff verwandelten die zwei Hochhäuser in Leonding bei Linz in riesige Schutthaufen. Das Ereignis gilt als "größte Wohnhaus-Sprengung Europas". Die Erwartungen der Behörden bestätigten sich: Es kamen an die 50.000 Zuschauer. Rund 300 Gendarmen, Feuerwehrleute und Helfer vom Roten Kreuz sorgten dafür, dass das Spektakel ohne größere Zwischenfälle ablief.

Am Ort des Geschehens herrschte schon ab Vormittag "Volksfeststimmung". Absperrungen rund um eine Sicherheitszone verhinderten, dass sich Zuschauer in Gefahr begeben konnten. Aber in die für sie vorgesehenen Areale waren die ersten Interessierten bereits gegen 10.00 Uhr Vormittag "eingerückt". Etliche waren "professionell" mit Bänken, Tischen und ausreichend Proviant ausgestattet. Ihre Motivation zum kommen: "So was kommt nur einmal im Leben vor." Unter den Zuschauen waren auch zahlreiche ehemalige Bewohner der Objekte.

Detonation um 14.43 Uhr
Vor der Sprengung war die Spannung bei den Zuschauern und den Verantwortlichen förmlich zu spüren gewesen. Exakt um 14.43 gab der aus Thüringen stammende Sprengmeister Martin Hopfe das Kommando zur Sprengung und rund 450 Kilogramm Sprengstoff setzten ihre Wirkung frei. "Trennladungen" zerschnitten die Stahlträger der Häuser, zudem zerbrachen in Bohrlöchern platzierte Ladungen tragende Betonwände. Das nahm den Gebäuden den Halt. Kurz nacheinander knickten beide ein.

40.000 Tonnen Schutt
Die Blitze der Explosionen in den Hochhäusern waren gut zu sehen, die Explosionen unüberhörbar. Von den beiden Wohntürmen, die rund drei Jahrzehnte lang einen Blickfang vor den Toren von Linz gebildet hatten, blieben nur noch zwei Schuttkegel aus Stahl und Beton mit einem Gesamtgewicht von rund 40.000 Tonnen. Die Staubentwicklung bei der Sprengung war so groß wie befürchtet. Ein für Leonding unüblicher Nordwind trieb eine Staubwolke langsam auf ein großes Feld zu, wo sich zahlreiche Zuschauer befanden, die sofort die Flucht ergriffen. Viele wurden dennoch eingeholt und total "eingenebelt".

Keine größeren Zwischenfälle
Kurz nach der Sprengung überprüften die Fachleute, ob keine Gefahr mehr bestand. Unter anderem wurde untersucht, ob eine an der Sprengstelle vorbeiführende und vorübergehend stillgelegte Gasleitung ganz geblieben sei. Eine erste Bilanz der Einsatzleitung ergab: Die Aktion sei ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Das Publikum habe sich sehr diszipliniert verhalten. Schäden an den benachbarten Häusern seien vorerst nicht gemeldet geworden. Sprengmeister Martin Hopfe war begeistert, dass "seine" Sprengung genau so verlaufen sei, wie geplant. Die Feuerwehr begann mit der Reinigung der B 139, der Welser Straße, sie wurde kurz danach wieder für den Verkehr frei gegeben.

Schutt wird für Westautobahn verwendet werden
Die aus den siebziger Jahren stammenden Häuser wurden abgerissen, weil sie abgewohnt waren. Ihre Mieter waren in Ersatzwohnungen umgesiedelt worden. Mit der Sprengung sollte die Abbrucharbeiten der Wohnblöcke verkürzt werden. Den Anrainern sollte damit eine monatelange Staubbelästigung erspart werden. Der Abtransport des Schuttes wird noch mehrere Wochen dauern. Der anfallende Stahl soll in den Hochöfen der Voest wieder verwertet werden, wo er auch produziert worden war. Der Schutt soll bei der derzeit laufenden Sanierung der Westautobahn verwendet werden.

Die Planung zur Nutzung des freigewordenen Geländes ist im Gange. Eine Stadtentwicklungsstudie empfiehlt ein neues urbanes Zentrum für Leonding mit einem "Nutzungsmix" aus Wohnungen, Büros, Wellness- und Freizeiteinrichtungen, Geschäften, Beherbergungsbetrieben, Gastronomie und Bildungseinrichtungen.

11.4.2003 14:03