Donnerstag, 10. April 2003

Pate behauptete: Kein Suizid-Versuch, sondern Attentat

Selbstmordversuch in der Zelle - oder ein Anschlag? Der mutmaßliche Mafia-Pate bestritt entschieden, einen Selbstmord-Versuch unternommen zu haben. Der 57-Jährige, der nach Einnahme eines Putzmittels mit Vergiftungserscheinungen in ein Spital kam, schwieg sich aber zu dem Vorfall aus. Gegenüber Kriminalbeamten gab er jedoch später zu Protokoll, Opfer eines Anschlags geworden zu sein.

Demnach behauptet Jeremiasz B., nach einer Durchsuchung in seiner Zelle niedergeschlagen worden zu sein. Man habe ihn zunächst aus dem Haftraum geführt. Wie berichtet, wurde bei der "Hausdurchsuchung" - tatsächlich wurde der Haftraum ganz offiziell mit einem richterlichem Befehl auf den Kopf gestellt - ein Handy gefunden, mit dem der 57-Jährige mehrere Zeugen in seinem Verfahren wegen Anstiftung zur Ermordung des früheren polnischen Sportministers Jacek Debski zu beeinflussen versucht haben dürfte.

Nach Abschluss der Untersuchung, als er wieder in seine Zelle gebracht werden sollte, habe ihn jemand hinterrücks zu Boden geschlagen, so Jeremiasz B. Danach müsse man ihm eine Flüssigkeit eingeflößt haben, vermutet der mutmaßliche Pate. Er könne sich jedenfalls an nichts mehr erinnern. Angaben zu möglichen Tätern machte der 57-Jährige bisher keine.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat nun Protokollabschriften angefordert und bereits Ermittlungen gegen unbekannte Täter (UT) eingeleitet. Jeremiasz B. wird auch auf Spuren eines möglichen Fremdverschuldens untersucht, war am Donnerstagabend in Erfahrung zu bringen. "Ob dabei etwas rauskommt, werden die weiteren Erhebungen zeigen", hieß es. Zur Glaubwürdigkeit seiner Angaben wollte man keine offizielle Stellungnahme abgeben.

10.4.2003 16:49