Montag, 7. April 2003

Brrrrrrr! Kaum auszuhalten: Minus 19,7 Grad in Seefeld

  • Eingeschneit! Urlauber saßen 3 Tage auf Hütte fest
  • ARBÖ: 30% der Pkw sind bereits mit Sommer-Reifen unterwegs

Tiefster Winter mitten im April! Die Kälteattacke bescherte uns in der Nacht Rekord-Kälte: In Seefeld hatte es eisige minus 19,7 Grad, auch in vielen anderen Gebieten Österreichs war es nicht minder ungemütlich. Besonders frostig war in Tirol, im Pinzgau und in Pongau.

So meldete der Flughafen Innsbruck einen Tiefstwert von minus 9,6 Grad Celsius. Die tiefste zuvor in Innsbruck gemessene April-Temperatur stammt aus dem Jahr 1929 mit minus 6,5 Grad, allerdings war damals Messort das Institut für kosmische Physik der Universität. Der am Flughafen bis gestern niedrigste April-Messwert war minus sechs Grad vom 4. April 1952, meldete die Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

In Reutte wurden die am 20. April 1969 gemessenen minus 9,1 Grad heute mit minus 11,1 Grad ebenso deutlich unterboten wie die minus 9,8 Grad vom 5. April 1970 in Krimml mit minus 11,8 Grad vom Dienstag. In Orten wie St. Anton/Arlberg (minus 12,9 Grad), Rauris (minus 11,5 Grad) und Badgastein (minus 12,2 Grad) wurden alte April-Kälterekorde nahezu eingestellt.

Minus 19,7 Grad!
Besonders tief fiel den Experten auf der Hohen Warte zufolge die Quecksilbersäule in der Nacht auf Dienstag in Seefeld, wo minus 19,7 Grad gemeldet wurden. Hier sind Vergleiche mit früheren Jahrzehnten wegen bedeutender Unterschiede zwischen alten Messstellen und der 1997 installierten jetzigen kaum möglich. Von 1949 bis 1997 war der absolut tiefste Aprilwert minus 13 Grad am 4. April 1952.

Urlauber saßen fest
Der jüngste Winterrückschlag hat im Vorarlberger Kleinwalsertal deutschen Urlaubern ein aufregendes Wochenende beschert. Ohne Skier oder Schneeschuhe ist das Trio am Samstag zur leer stehenden Fiderepass-Hütte in rund 2.000 Meter Höhe aufgestiegen. Wegen des schlechten Wetters konnten die Urlauber nicht mehr ins Tal.

Per Handy verständigten sie die Bergrettung Kleinwalsertal. Auf Grund des Schneefalls und der schlechten Sichtverhältnisse konnten die Urlauber erst am Montag geborgen werden. Sie wurden zu Mittag von einem Hubschrauber des Innenministeriums abgeholt.

Verkehrs-Chaos und Lawinenwarnungen
Der Winter mit Minusgraden dürfte bis zur Wochenmitte anhalten. Autofahrer sollten erst um Ostern die Winterreifen einmotten, empfahl der ÖAMTC.

In Tirol wurden die zum Teil bereits auf Sommerreifen umgestiegenen Autofahrer durch Schneematsch und vereiste Fahrbahnen behindert. Auf höher gelegenen Straßenverbindungen wurden für Schwerfahrzeuge und Busse Ketten empfohlen. Die Gendarmerie riet den Autofahrern, nur mit Winterausrüstung zu fahren. Die Lawinengefahr stieg auf die Stufe "3" der fünfteiligen Skala. Seit Sonntag gab es zum Teil ergiebigen Schneezuwachs: Laut Lawinenwarndienst sind in dieser Schneefallperiode seit Mittwoch gebietsweise in Summe 100 bis 150 Zentimeter Neuschnee gefallen. "Insgesamt herrschen ungünstige Verhältnisse mit eingeschränkten Tourenmöglichkeiten", warnten die Experten.

Auch laut Vorarlberger Landeswarnzentrale herrschte oberhalb 2.200 m Lawinengefahr der Stufe "3". Am Sonntag sind aus Felsgelände und Steilrinnen spontane kleinere Lockerschneelawinen abgegangen. Auf Bergstraßen - über den Arlberg, nach Lech/Zürs, über den Hochtannberg nach Warth, von Damüls nach Faschina oder auf dem Bödele bei Dornbirn - mussten Schwerfahrzeuge Ketten benützen. Auch in den Bergen brachte der Kaltfrontdurchgang eine markante Abkühlung, in Lech wurden am Vormittag minus zehn Grad gemessen. Der Neuschneezuwachs betrug zehn bis 20 cm.

In Kärnten hatte starker Sturm am Wochenenden zu Stromausfällen geführt. Am Montag funktionierte die Versorgung wieder. Am längsten mussten 700 Bewohner in der Ortschaft Schiefling am Wörther See warten, die bis in die Nacht auf Montag ohne Elektrizität waren. Besonders stark vom Sturm betroffen waren Oberkärnten, das Gurktal und das Lavanttal. Dächer wurden abgedeckt, in Oberkärnten stürzten Bäume um. Die Lawinengefahr wird weiterhin überwiegend mit erheblich beurteilt.

In Salzburg haben sich am Montag Wetterlage und Verkehrssituation nach einer "glatten" Nacht stabilisiert. Im Land hat es in der Nacht einige Millimeter Neuschnee gegeben, die teilweise auch liegen blieben, so die Wetterwarte.

In der Steiermark hat sich die Serie witterungsbedingter Verkehrsunfälle vom Wochenende fortgesetzt: Auf Grund von Schnee und Matsch hat sich auf der Südautobahn (A 2) am Wechsel in der Früh wieder eine Massenkarambolage ereignet, verletzt wurde niemand. Insgesamt gab es laut Gendarmerie seit Sonntag in der Steiermark bei fünf Unfällen im Schneetreiben elf zum Teil Schwerverletzte. In der Obersteiermark fielen bis zu 20 Zentimeter Neuschnee. Am stärksten betroffen vom Wintereinbruch waren das Ausseerland und das Gebiet um Mariazell, auch im Ennstal meldete sich der Winter zurück. Kettenpflicht herrschte auf allen höher gelegenen Bergstraßen.

Für Unfälle hat der Wintereinbruch auch in Oberösterreich und Niederösterreich gesorgt. In der Nacht auf Montag stürzte auf der Pyhrnpassbundesstraße in Klaus (Bez. Kirchdorf) ein Lkw um. Teile der Ladung - Säcke mit Plastikgranulat - blockierten bis in die Morgenstunden die Fahrbahn. In Niederösterreich galt Schneekettenpflicht auf der B 71 über den Zeller Rain, Lkw mussten auf der B 23 über den Lahnsattel Ketten anlegen. Winterausrüstung war auch im Waldviertel auf der L 78 zwischen Ottenschlag und Traunstein (Bezirk Zwettl) erforderlich. Stark vereiste Fahrbahnen hatten auf der Südautobahn (A 2) Sonntagabend, im Raum Seebenstein (Bezirk Neunkirchen) zu drei Karambolagen innerhalb weniger Minuten geführt. Involviert waren etwa 20 Fahrzeuge, sechs Personen wurden leicht verletzt.

Auch in Nachbarländer ist der Winter zurückgekehrt: Sogar Süditalien hat Schneefälle abbekommen. Die Spitze des Vesuvs war in eine Schneedecke gehüllt. Die Schiffsverbindungen zwischen Sizilien und der Mittelmeerinsel Pantelleria sind wegen starker Stürme seit Tagen unterbrochen. Aus Tarvis, Tolmezzo und Udine wurden Temperaturen unter null Grad gemeldet. Schnee gab es auch in Venedig und Padua. In der Ostschweiz verursachte heftiger Schneefall ein Verkehrschaos.

7.4.2003 10:41