Freitag, 4. April 2003

Jeder zehnte Gamer nutzt ausschließlich Raubkopien

  • Simpelspiele erweisen sich als Verkaufsrenner
  • Starke Zunahme bei Strafverfahren gegen "Schwarzbrenner"

Gut jeder zehnte Gamer (11 Prozent) nutzt ausschließlich Raubkopien von Computerspielen und besitzt selbst kein einziges Originalspiel. Dies ist das Ergebnis einer Online Umfrage eines deutschen PC-Spielemagazins, an der über
4.000 Computerspieler teilgenommen haben.

Die Umfrage zeigt aber auch: Die Mehrheit der Gamer ist ehrlich. Fast ein Viertel (23 Prozent) kauft ausschließlich Originaltitel, ein weiteres Viertel (22 Prozent) nutzt die gebrannten CDs einzig als Entscheidungshilfe für den späteren Spielekauf. Immerhin 15 Prozent der 12.000 Teilnehmer einer zweiten Umfrage kaufen fast jeden Monat mindestens ein Computerspiel, weitere 24 Prozent alle zwei Monate.

Aufwändige Spiele als Ladenhüter
Jörg Langer, Chefredakteur der deutschen Zeitschrift GameStardazu: "Die Kopierer sägen, ohne es zu merken, den Ast ab, auf dem sie neben den Entwicklern und Publishern selbst sitzen." Gerade bei aufwändigen Spielen bleiben die Verkaufszahlen immer öfter unter den Erwartungen der Hersteller zurück. Der Grund dafür sind zum großen Teil Raubkopien.

Leo Jackstädt von Vivendi Universal: "Dies hat fatale
Folgen für zukünftige Projekte." Denn nach zumeist mehreren Jahren Entwicklungszeit brauchen die Firmen die Einnahmen. Neben den Kosten wird damit auch die Programmierung des nächsten Titels vorfinanziert. Fehlt dazu das Geld, ist das den neuen Spielen anzusehen. Andere Spiele-Designer wenden sich in der Folge lukrativeren Projekten zu.

Simpelspiele als Verkaufsrenner
Diese liegen derzeit im Massenmarkt der Simpelspiele. So erzielte Publisher Phenomedia mit über einer Million verkaufter Exemplare aus der Moorhuhn- und Sven-Bomwollen-Reihe wesentlich mehr Umsatz als beispielsweise mit dem anspruchsvollen Rollenspiel "Gothic".

Viele Raubkopierer betrachten ihre Taten als Kavaliersdelikt, aber das Risiko einer Anzeige steigt. Im Jahr 2002 wurden von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen über 2.000 Strafverfahren gegen "Schwarzbrenner" eingeleitet, 500 mehr als im Jahr zuvor. Ersttäter kommen meist mit einer Geldbuße davon, bei
Wiederholung drohen jedoch Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

Weitere Informationen:

  • Vivendi-Website

    4.4.2003 10:32