US-Firmen fürchten sich nicht vor Boykott
- Bisher keine größeren Auswirkungen
- Deutsches Africola statt US-amerikanisches Coca-Cola
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Keine Coca-Cola trinken, nicht bei McDonald's essen und nicht bei Esso tanken: immer mehr US-Unternehmen finden sich neuerdings in Deutschland auf Boykottlisten von Irak-Kriegsgegnern. Vorzugsweise im Internet, zum Beispiel auf den Seiten von www.amerika-boykott.com, http://www.klaus-krusche.de oder http://www.pfui.ch rufen Kriegsgegner dazu auf, den Einkauf zum Protest gegen den Irak-Krieg zu nutzen.
Auch manche Gastwirte haben amerikanische Waren von ihren Speise- und Getränkekarten gestrichen. So zum Beispiel der Bonner Wirt Bruno Kessler. In seinem Lokal "Zuntz selige Witwe" schenkt er keinen amerikanischen Whiskey und keine Coca-Cola mehr aus. Stattdessen serviert er die Kult-Brause "Africola" aus dem süddeutschen Bad Überkingen. Und: In einem Aushang fordert er seine Gäste dazu auf, keine amerikanischen Zigaretten mehr zu kaufen.
Wenig Einbußen für Gastwirte
Vom Erfolg seiner Aktion ist der Wirt überrascht: "Meine Gäste sind beeindruckt und sehr begeistert, es gibt nicht eine einzige Gegenstimme." Damit habe er gar nicht gerechnet, erzählt Kessler. Einen Umsatzrückgang könne er nicht verzeichnen, aber auch keine Steigerung des Verkaufs. Nur die französischen Zigaretten müssten jetzt häufiger nachgefüllt werden als früher.
In Hamburg haben einige französische Restaurants beschlossen, amerikanische Produkte nicht mehr anzubieten. "Die Amerikaner protestieren doch auch gegen Frankreichs Nein zum Krieg, indem sie unseren Käse und unsere Weine nicht mehr kaufen", rechtfertigte jüngst der französische Koch Louis Bouillon den Schritt, der den Stein in der Hansestadt ins Rollen brachte.
Geringe Auswirkungen auf US-Firmen
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hält sich mit Kommentaren zu den Boykotten einzelner Wirte zurück. Das sei in jedem Fall die "ureigenste und persönliche" Entscheidung eines jeden Unternehmers, sagt Dehoga-Sprecher Marc Schnerr in Berlin. Für die Wirte gebe es allerdings viel zu bedenken - zum Beispiel, dass US-Unternehmen in Deutschland Arbeits- und Ausbildungsplätze schafften.
Großen Erfolg zeigen die vereinzelten Boykottaufrufe bisher nicht. Beim Hamburger-Brater Burger King haben sich die Boykottaufrufe noch nicht nachteilig auf den Umsatz ausgewirkt, wie eine Unternehmenssprecherin in München erklärt. Entsprechend gelassen reagieren die meisten Firmen mit amerikanischen Wurzeln. "Wir halten das für grundlos und bar jeder vernünftigen Rechtfertigung", erklärt Esso-Pressesprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann in Hamburg. Die Entscheidung gegen den Irak vorzugehen sei ein Entschluss souveräner Staaten, auf den die Firma keinerlei Einfluss habe.
Keine politische Haltung
Der Hygiene-Artikel-Hersteller Johnson & Johnson berichtet, seit Beginn des Krieges seien einige wenige Protest-E-Mails angekommen, alle seien individuell beantwortet worden. Auch wenn man eine amerikanische Firma sei, habe man dennoch keine politische Haltung, betont eine Johnson & Johnson-Sprecherin.
Coca-Cola Sprecher Klaus Hillebrand hebt hervor, dass fast 100 Prozent der Produkte, die in Deutschland über den Ladentisch gingen, auch hier hergestellt würden. "Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir ein amerikanisches Symbol sind", sagt Hillebrand. Trotzdem sei die lokale Verwurzelung so groß, dass ein Boykott vor allem die deutsche Wirtschaft schwäche.
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