Dienstag, 1. April 2003

Schwarze Liste für Boykott-Maßnahmen

  • Boykottaufrufe gegen US-Unternehmen nehmen zu
  • Vor allem Wahlkampfspender von Bush im Kreuzfeuer der Kritik

Internationale NGOs setzen bei ihren Protesten gegen den Irak-Krieg vermehrt auf Boykott-Aufrufe gegen US-Unternehmen. Waren es bis vor kurzem noch die "klassischen" mit den USA assoziierten Unternehmen wie etwa Coca Cola oder McDonalds, denen die Boykottaufrufe galten, stehen bei den jüngsten Aufrufen vor allem Wahlkampfspender von George W. Bush im Kreuzfeuer der Kritik. Die belgische Gruppe "For Mother Earth" beispielsweise hat eine Liste von zu boykottierenden Unternehmen ins Internet gestellt. Das Netz dient den NGOs dabei als Informationsmedium Nummer eins.

Den Boykottaufrufen haben sich auch schon zehn Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) angeschlossen. "Obwohl die Leute bereits vor Kriegsbeginn auf die Strasse gingen um dagegen zu protestieren, wurden sie von ihren Regierungen einfach ignoriert. Was ihnen nun bleibt ist der Boykott von Unternehmen, die definitiv vom Krieg profitieren", so MEP Patrica McKenna. "Wir werden unsere Kampagne erst dann beenden, wenn die USA mehr Respekt für das Völkerrecht zeigen", so Pol D’Huyvetter, Sprecher von For Mother Earth. Die Gruppe war 1995 einer der Hauptakteure beim Boykottaufruf gegen Shell, nachdem der Ölkonzern die ausrangierte Ölplattform Brent Spar im Meer versenken wollte. Shell erlitt damals einen erheblichen wirtschaftlichen, aber vor allem einen Image-Schaden.

Etablierte Unternehmen im Kreuzfeuer
Auf der "schwarzen Liste" der Mutter-Erde-Aktivisten befinden sich Unternehmen wie Coca Cola, Pepsi, McDonalds, General Electric, Philip Morris, Exxon, Chevron, aber auch Autokonzerne wie Ford, General Motors oder diverse US-Fluglinien. Als Hauptspender der Administration Bush wird auf diversen Listen die Bank MBNA genannt. Auch Microsoft zählt zu den edlen Spendern, von diversen Rüstungs- oder ölnahen Unternehmen gar nicht zu sprechen. D’Huyvetter hofft darauf, dass auch bei diesen Unternehmen ein "Shell-Effekt" eintritt und fordert auch die europäische Politik auf, aktiv etwas zu unternehmen. In den vergangenen Wochen haben sich zudem Aufrufe aus Argentinien, Frankreich, Indien, Indonesien, Japan, Russland und Thailand zu den Protesten dazugesellt. (pte/red)

Weitere Informationen:

  • Mother Earth-Website

    1.4.2003 13:10