Mittwoch, 2. April 2003

Die Jagd auf Saddam Hussein

  • Bleibt er in einem seiner 47 Bunker?
  • Bereitet er die Flucht vor ?

Im Fadenkreuz. Wie Saddam Hussein gejagt wird: Die vier US-Szenarien zum Sturz des irakischen Dikators in Bagdad.

Einen kleinen Teilsieg hat er errungen: Saddam Hussein, 65, hat die ersten drei Kriegswochen unbeschadet überstanden, ebenso seine beiden Söhne Odai, 38, und Kusai, 37. Er zeigte sich mit ihnen zu Wochenbeginn in einem seiner Bunker. Saddams Frau Sajida und die Töchter Raghad, Rana und Halla sollen sich freilich längst nach Syrien abgesetzt haben.
Seit Kriegsbeginn haben die Amerikaner mit Hunderten Lenkwaffen Dutzende Gebäude auf dem weitläufigen Areal des Präsidentenpalastes – so groß wie die Wiener Innenstadt – zerstört. Sie wollten damit Platz schaffen, um immer effektiver ihre Bunker-Buster einsetzen zu können. Die 2,3 Tonnen schweren Spezialbomben mit einer Länge von sechs Metern können 30 Meter tief ins Erdreich eindringen, Betondecken bis zu sechs Meter Dicke durchschlagen und danach mit brutaler Sprengkraft den Bau zerstören. Mehrmals haben die Amerikaner die lasergesteuerten Bunker-Buster bisher abgefeuert – wie ein tödliches „Schifferlversenken“.
Saddam Hussein muss wohl schon vor Jahrzehnten geahnt haben, dass sein Regime einmal im Bunker enden würde. In den achtziger Jahren, als er noch im Geld schwamm, ließ er sich von den besten Firmen der Welt ein unterirdisches Labyrinth bauen. Gegenüber den UN-Waffeninspektoren deklarierte der Irak 47 Palastanlagen. Sieben haben die Inspektoren untersucht, unter jedem von ihnen befanden sich zumindest dreistöckige Bunkeranlagen. Der US-Geheimdienst spricht gar von 78 Palast- und doppelt so vielen Gästeanlagen, verteilt über den ganzen Irak.
Luxus in der Tiefe. Drei der wichtigsten Bunkeranlagen dürften die US-Bomber bisher gezielt attackiert und auch getroffen haben: Die Anlagen wurden von jugoslawischen Ingenieuren, von einer Firma in Zürich und einer deutschen Gesellschaft gebaut. So errichtete etwa die „Boswau und Knauer AG“ aus Nordrhein-Westfalen die größte Bunkeranlage unter dem Präsidentenpalast, das „Projekt 305“. Einer der Ingenieure, die damals mitgearbeitet haben, ist Karl Esser, ein Deutscher. „Wenn sie die sechs Meter dicken Stahlbetonwände durchschlagen wollen“, glaubt er, „müssen sie weitere 20 Bunker-Buster auf den Bau werfen.“ Der Bunker, in dem sich Saddam und seine Söhne – laut CIA-Chef George Tenet – in der ersten Bombennacht aufgehalten haben sollen, ist drei Stockwerke tief, verfügt über zwei Dutzend verschiedene atombombensichere Räume, darunter zehn Schlafzimmer. Erreichbar ist die Anlage über Treppen, geheime Tunnel und über zwei Lifte: „Es gibt kein Zeitlimit, wie lange es 80 bis 100 Menschen in dem Bunker aushalten können“, meint Esser; das würde nur von den Lebensmittelvorräten abhängen.
Details zu Husseins Bunker und zur Taktik der Jäger finden Sie im aktuellen NEWS.

2.4.2003 16:37